Fußball-Weltmeisterschaft 2010

Heiligengeistfeld wird wieder zur Partymeile

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Die geplante Verlegung in die HSV-Arena hatte scharfe Kritik ausgelöst. Jetzt ruderte Senatorin Karin von Welck zurück.

Hamburg. Die Party kann beginnen. Das Fanfest zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auf dem Heiligengeistfeld ist gerettet. Diese Nachricht dürfte Zehntausende Fußballfans zu Jubelschreien verleiten: "Das ist die schönste Nachricht im noch jungen Jahr 2010. Die Sportbehörde hat sich mit der geplanten Verlagerung in die Walachei verrannt und nun zum Glück noch einen Rückzieher gemacht", sagte Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD). Auch Handelskammer-Präses Frank Horch reagierte erfreut: "Dies ist die richtige Entscheidung für das Image der Sportstadt Hamburg und auch für die Gastronomie in St. Pauli, die direkt zum Gelingen des Festes beiträgt." SPD-Fraktionschef Michael Neumann kritisierte: "Das Herumgewackel des Senats ist peinlich. Aber die aktuelle Entscheidung ist in Ordnung."

Der Sinneswandel der Behörde für Sport, Kultur und Medien kam in der Tat überraschend. Zur Erinnerung: Am 8. Januar hatte die Behörde sich offensichtlich überstürzt im Alleingang für eine Verlegung des Fanfestes in die HSV-Arena nach Bahrenfeld entschieden. Kurz vorher waren die Überlegungen für eine mögliche Verlegung durchgesickert, und die Medien hatten darüber berichtet. Aus Behördenkreisen wurden vor allen Dingen Sicherheitsaspekte und Kostengründe angeführt.

Die Entscheidung sorgte für heftige Kritik von Fans und aus der Politik. Es entwickelte sich sozusagen eine Schwarz-Rot-Grüne Koalition für das Fanfest auf dem Heiligengeistfeld. Dann erklärte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) auch noch in einem TV-Interview, wenn sich ein Sponsor finden würde, der "zwei Millionen auf den Tisch legt, dann herzlich gerne".

Die Kosten für das Fanfest mit großem Rahmenprogramm unter der Federführung der Hamburg Marketing GmbH hatte 2006 rund 1,5 Millionen Besucher angelockt. Die Stadt musste nach Abzug der Einnahmen rund 1,9 Millionen Euro bezahlen.

In den vergangenen Tagen, in denen die Verlegung in die HSV-Arena für Schlagzeilen in den Medien sorgte, führte von Welck dann Gespräche mit Senatorenkollegen und auch mit Bürgermeister von Beust. Dann kam gestern der überraschende Wandel.

War denn die Entscheidung, das Fanfest in die HSV-Arena zu verlegen, falsch? Dazu von Welck gegenüber dem Abendblatt: "Nein. Aber die Reaktionen in den letzten Tagen haben uns deutlicher als je zuvor gezeigt, wie begeistert die Hamburger von den Fanfesten auf dem Heiligengeistfeld waren und dass sie das Fanfest in dieser Form nicht missen möchten." Durch das verbesserte Angebot des Veranstalters und durch neue Sponsoringzusagen hätte sich "eine ganz neue Ausgangposition ergeben", so die Senatorin weiter.

Das Fanfest soll nun Uwe Bergmann von der uba Event-Agentur veranstalten. Der hatte der Stadt bereits Anfang Dezember ein Konzept vorgelegt und einen koreanischen Autoherssteller als Hauptsponsor gewonnen. Doch zunächst gab es seitens der Stadt keine Reaktion auf dieses Angebot - die Verlegung in die HSV-Arena wurde beschlossen. Dann besserte Bergmann am 13. Januar "noch einmal nach" und schickte sein Angebot an Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Senatorin von Welck.

Nach Abendblatt-Informationen soll die Stadt für die Organisation an Bergmann einmalig 150 000 Euro bezahlen und das Heiligengeistfeld zur Verfügung stellen und zudem die Polizeipräsenz rund um das Gelände sicherstellen.

Schließlich meldete sich von Welck am Freitag telefonisch bei Bergmann und teilte ihm die Rückverlegung auf das Heiligengeistfeld mit. Über diese Entscheidung ist Bergmann, der bereits in die Fanfeste zur WM 2006 und EM 2008 involviert war, natürlich glücklich: "Wir werden wie bei der WM 2006 auf dem Heiligengeistfeld ein Sommermärchen feiern."

Bis zu 60 000 Fans sollen während der WM 2010 in Südafrika vom 11. Juni bis zum 11. Juli auf dem Heiligengeistfeld pro Spiel Platz finden und alle Begegnungen auf der Großbildleinwand verfolgen können. Auch ein "Boulevard der Nationen" ist wieder vorgesehen. Erstmalig auch ein reservierter Bereich für Familien mit Kindern. Außerdem soll die Einlasssituation verbessert werden, um lange Schlangen zu vermeiden.

Übrigens sucht die Stadt noch weitere Sponsoren, die das Fest im Herzen der Stadt unterstützen.