Leserbriefe

Körperliche Arbeit

"Fett? Das fällt nicht ins Gewicht", Hamburger Abendblatt, 12. Januar

In einer Wohlstandsgesellschaft wird deutlich, wer diszipliniert lebt und wer sich den lukullischen Genüssen hingibt. Selbst wenn wir genauso viel essen wie vor 50 Jahren, werden wir zunehmen, weil wir weniger körperlich arbeiten. Sind beide Eltern dick, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Kinder auch dick werden, weil die Eltern ihnen das Essen vorleben. Und wenn jemand wegen seiner Leibesfülle mit dem Kran aus dem Fenster geholt werden muss, dann ist das pervers. Viele leben nach dem Motto: "Ist die Figur erst ruiniert, lebt man gänzlich ungeniert". Mir tun die Kinder leid, die zu spät merken, was die Eltern mit ihnen angerichtet haben.

Josef Bogner, Reinbek

Mitsprache

"Guttenberg zeigt Verständnis für Käßmann", Hamburger Abendblatt, 12. Januar

So edel es auch ist, sich öffentlich gegen den Afghanistan-Einsatz auszusprechen, muss unbedingt dabei bedacht werden, dass Frau Käßmann lediglich öffentlich die Stimme erhebt, und andere tun das ganz leise im stillen Kämmerlein. Sowohl Frau Käßmann als auch dem unbescholtenen Bürger ist aber gemein, dass sie in Wahrheit eigentlich nicht mitreden dürfen, denn aus dem Bauch lehnt mancher alles Mögliche ab, ohne die geringste Ahnung zu haben. Aber ein bisschen Sachverstand wäre in der Angelegenheit nicht schlecht, und ein bisschen "Showlaufen" in Afghanistan tut's auch nicht. Bei allem grundsätzlichen Protest ist ein tieferes Eindringen in die Materie ganz gut - vor allem, wenn man laut die Stimme erhebt und sich der Fangemeinde sicher ist.

Manuel Pracht, Hamburg

Einmischen

Ich finde die Kritik an Frau Käßmann völlig ungerechtfertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man der Kirche vorgehalten, sich nicht genügend in die Politik eingemischt zu haben. Jetzt tut sie das, nun ist es auch wieder nicht richtig.

Gisela Domroes, per E-Mail

Assimilation

Kommentar zur Linkspartei: "Jetzt zeigt sich der Geburtsfehler", Hamburger Abendblatt, 12. Januar

Der Kommentar geht haarscharf am eigentlichen Problem vorbei. Der Geburtsfehler besteht darin, dass eine westdeutsche Partei aus Menschen, die eine andere Politik wollen, auf Ostdeutsche traf, die wieder zurück an die Fleischtöpfe wollen, egal wie. Das lässt sich auf Dauer nur durch Assimilation beheben. Bleibt die spannende Frage, wer wen?

Andreas Kaluzny, per E-Mail

Keine Geschenke

"Stiftungen sind Impulsgeber und Innovationsschmieden, Hamburger Abendblatt, 5. Januar

In was für einer verqueren Gedankenwelt leben diejenigen, die von "böswilliger Steuervermeidung" oder "dem Staat vorenthalten, was des Staates ist"? Der Staat gibt keine Geschenke an Steuerzahler, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ich musste einen DRK-Spendensammler unverrichteter Dinge wegschicken. Ich sagte ihm: "Wenn die Steuersätze auf Arbeit halbwegs human wären wie in den USA, wenn die Mehrwertsteuer je nach Bundesland vielleicht drei, meinetwegen auch mal sieben oder eben auch mal null Prozent betrüge, das Benzin mal eben die Hälfte kosten würde usw., dann würde ich gern spenden - wie es die Amerikaner in ihrer Tradition ja auch umfassend tun. Aber so ...?" Der Mann zeigte Verständnis für meinen Standpunkt. Er hatte sich seine eigene Gehaltsabrechnung und vor allem die Abzüge darauf vor seinem geistigen Auge aufgerufen. Ich begreife nicht, wie man diejenigen schelten kann, die dem Staat hier endlich Einhalt gebieten wollen. Und apropos Gerechtigkeit: Von einer Mehrwertsteuersenkung hätten alle was ... Arbeitende, Rentner, Studenten, alle. Nur der Staat würde verlieren - und das wäre gut so.

Ralf Marquardt, Hamburg

Diese Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Weitere Briefe auf www.abendblatt.de

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