Leserbriefe

Ein bisschen Schickimicki kann nicht schaden

"Ein Leben wie im Film", magazin, 2./3. Januar

Lieber Mario Adorf, alle guten Wünsche für Ihr Jubiläumsjahr 2010. Ein Wunsch aber möge sich bitte nicht erfüllen: die Rolle des Karl Marx zu spielen.

Es ist zu gefährlich, wenn ein so glaubwürdiger Darsteller wie Sie die 140 Jahre alten Marx-Träume gegen den "Kapitalismus" wach küsst, dessen Ende Sie kommen sehen. Es ist längst da, denn unsere von sozialer Marktwirtschaft geprägte Gesellschaftsform ist dem Sozialismus näher als dem Kapitalismus um 1860 - die Staatsquote wird für 2010 auf über 50 Prozent prognostiziert.

Sie ist nicht allein aus der Einkommenssteuer gespeist, sondern auch von 19 Prozent "Provision" (Mehrwertsteuer) auf private Einkäufe, von Abgeltungs-, Bier-, Gewerbe-, Kaffee-, Öko-, Mineralöl-, Erbschafts-, Tabak- Usw.-Steuer, zu der wir wohl bald auch wieder die Zuckersteuer zählen können, um es auf A-Z zu bringen. Die "reinste" Form des Kapitalismus gibt es nur noch in Ländern mit kommunistischen Diktaturen, in denen eine überschaubare Gruppe das ganze Volk ausbeutet.

Möge dieser "Kapital-Kommunismus", der auch seine Wurzeln bei Marx hat, zu Ende gehen, so wie aus Karl-Marx-Stadt wieder Chemnitz wurde. Und ich glaube, dass Sie, wenn Sie heute dort wohnten, sich nach ein bisschen Schickimicki sehnten. Sie müssen sich nicht danach sehnen, Sie leben es einfach - ohne Überschwang und ohne Gier.

Günther Döscher, per E-Mail