Regisseur schockiert

Anti-israelische Ausschreitungen verhindern Filmvorführung

Im Programmkino "B-Movie" im Stadtteil Sternschanze konnte der Filme "Warum Israel" von Claude Lanzmann nicht aufgeführt werden.

Hamburg. Offenbar anti-israelische Ausschreitungen haben in Hamburg die Vorführung des Films „Warum Israel“ von Regisseur Claude Lanzmann verhindert. Der Zwischenfall hatte sich nach Angaben von „Spiegel Online“ bereits Ende Oktober ereignet. Dabei sollen gewalttätige Demonstranten die Kinobesucher beschimpft, bespuckt und geschlagen haben. Am Donnerstag äußerte sich Lanzmann erstmals dazu. Der Filmemacher zeigte sich schockiert. Auch die Jüdische Gemeinde und die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Hamburg sind entsetzt. Derweil lagen der Staatsanwaltschaft zunächst keine Erkenntnisse vor.

Als das Hamburger Programmkino B-Movie im Stadtteil Sternschanze am 25. Oktober gemeinsam mit der linken Gruppierung Kritikmaximierung den Film vorführen wollte, blockierten dem Bericht zufolge Mitglieder des benachbarten, ebenfalls linken antiimperialistischen Zentrums namens B5 den Eingang: „Sie hatten das Kino mit einem Metalltor abgeriegelt“, sagte der Kinobetreiber Martin Schnitzer gegenüber „Spiegel Online“. Die Leute seien vermummt und in Tarnfarben gekleidet gewesen. „Einer hatte sich die auf ein Stück Klopapier gemalte israelische Flagge angesteckt“, sagte Schnitzer.

Augenzeugen zufolge handelte es sich um etwa 30 bis 40 Angreifer zwischen etwa 16 und 70 Jahren. Die Blockierer haben Schnitzler zufolge mit Videokameras alle aufgenommen, die ins Kino wollten. Damit sollte eine israelische Kontrollstation simuliert werden. Auf einem Plakat wurde die Grenzmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten mit dem einstigen südafrikanischen Apartheidsregime in Verbindung gebracht. Bei mehrfachen Gesprächsversuchen sei den Kino-Betreibern unter Gewaltandrohung deutlich gemacht worden, dass die Veranstaltung auf keinen Fall zugelassen werde, heißt es in einer Stellungnahme des Kinos. Um eine Eskalation zu verhindern, sei die Vorführung abgesagt worden. Mindestens drei Gäste sollen durch Faustschläge ins Gesicht verletzt worden sein.

Das Zentrum B5 wies den Vorwurf, die Besucher seien beleidigt worden. Bei der Aktion sei es darum gegangen, eine „prozionistische Veranstaltung“ und „Hetze“ zu stoppen. Ein derartiger Skandal sei weltweit einmalig, zitierte „Spiegel Online“ Lanzmann („Shoah“). Der 83-Jährige fügte hinzu: „Die Deutschen dürfen nie wieder als Herren auftreten.“ Zur antijüdischen Hetze der Nationalsozialisten gehörten in den frühen dreißiger Jahren auch Blockadeaktionen gegen, wie es im NS-Jargon hieß, „verjudete“ Filme. In seinem Debüt „Warum Israel“ von 1973 befragt der Franzose Israelis zu ihrem Leben in Israel und beleuchtet die Gründe für die Existenz des Staates.

Nach Angaben eines Polizeisprechers seien Einsatzkräfte am 25. Oktober am Ort des Geschehens gewesen. Es habe jedoch keine Anzeigen gegeben. Auch hätten der Polizei die bei „Spiegel Online“ berichteten Aussagen nicht vorgelegen. „Sonst hätten wir sofort wegen Volksverhetzung ermittelt“, sagte der Sprecher. Allerdings ermittle der Staatsschutz inzwischen wegen einer Tage später erfolgten Auseinandersetzung zwischen zwei Personen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Ruben Herzberg, zeigte sich „empört“: „Wenn das so war, dann ist das eine nachträgliche Missachtung der Opfer des Nationalsozialismus“, sagte er. Offensichtlich sei damit in Hamburg eine Situation hergestellt worden, „von der wir nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt“. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hamburg der Deutsch-Israelische Gesellschaft, Heike Grunewald, verurteilte die angeblichen Ausschreitungen „aufs Schärfste“. Sie rief die Bürger zu einem zahlreichen Besuch und zur Solidarität mit Israel auf, wenn die Filmvorführung am 13. Dezember wiederholt werden soll. Die Kino-Betreiber forderten einen gewaltfreien Ablauf der Veranstaltung.