Anhörung im Ikea-Streit

Ikea und ein Klotz spalten Altona

Vertreter des schwedischen Möbelhauses stellen klar: "Bei Dauer-Protest im Stadtteil kommen wir nicht."

Hamburg. Die frühere Schaufensterzeile im Erdgeschoss ist mit Plakaten und Graffiti vollständig beklebt und besprüht, Rost und verblichener Waschbeton prägen die Fassade. Das Frappant an der Großen Bergstraße wirkt lange schon wie eine riesige Ruine, nicht wie ein pulsierendes Einkaufszentrum, das es einmal war. Und doch ist in Altona ein Streit darüber entbrannt, ob der Klotz stehen bleiben soll. Ob der Möbelkonzern Ikea ihn für einen Neubau abreißen darf - oder ob Künstler und Initiativen dort weiter günstige Räume finden können.

"Kill Billy", steht auf einem Plakat an einem Mietshaus auf der Rückseite des Frappant. Ein Wortspiel mit dem Ikea-Regalsystem "Billy" und dem Filmtitel "Kill Bill". "Das wird ein Riesenklotz und durch den Pkw-Verkehr ist die Ruhe bald dahin", schimpft ein älterer Anwohner. Gerade hat er wieder Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Ikea-Pläne gesammelt. Solche Listen liegen auch in der früheren Büroetage des Frappant aus. Rund 150 Künstler haben dort ihre Ateliers, ansonsten steht der Bau leer. In den früheren Bürofluren sind die Teppiche abgewetzt, lose Kabel hängen an der Wand, Scherben liegen auf dem Boden, und es riecht modrig, weil die Heizung nicht funktioniert. Doch die Mieten sind günstig, die Lage zentral. Kaum verwunderlich, dass viele der Künstler die Ikea-Pläne mit wenig Freude sehen. " I dioten k auf e n a lles", heißt es auf einem Plakat.

Anders das Bild an der Großen Bergstraße: Früher war sie eine zentrale Einkaufsmeile in Altona, heute prägen etliche Billigläden das Bild. In vielen Geschäften hängen auch Plakate, die zu einem Pro-Ikea-Bürgerbegehren aufrufen. "Wir freuen uns auf Ikea", steht darauf. Gregor Lemmers vom Fotostudio Lemmers erklärt, warum: Im Februar musste der Familienbetrieb von seinem alten Firmensitz an der Großen Bergstraße in eine Nebenstraße umziehen. "Die Miete war hoch, aber der Umsatz ging immer weiter zurück", sagt der 42-Jährige. Ikea sei nun die letzte Chance, damit die Große Bergstraße wieder als Einkaufsstraße attraktiv werde. Gestern Abend prallten die Meinungen beider Fraktionen während einer öffentlichen Anhörung in der Thedestraße direkt aufeinander. Lautstark protestierten vor allem einige Gegner - und verzögerten den Beginn der Veranstaltung. Rund 200 von ihnen hatten vor dem Veranstaltungsgebäude mit Plakaten gegen Ikea protestiert.

Ikea-Vertreter stellten während der Anhörung erste Ideen für das "Pilotprojekt" vor: 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche soll der erste kontinentaleuropäische "Ikea-Citystore" nach englischem Vorbild haben. Das ist soviel wie in der Ikea-Filiale Moorfleet, aber verteilt auf sieben Geschosse. Vier von ihnen sind Parkdecks. Mit 2300 Kunden-Pkw in der Woche und 4100 am Sonnabend, rechnen Verkehrsgutachter. 50 Prozent der Kunden würden mit Bus und Bahn kommen. Schon im nächsten Jahr will Ikea mit dem Abriss beginnen, 2012 eröffnen. Allerdings stellte ein Ikea-Vertreter klar: "Wir wollen in Altona willkommen sein - gegen anhaltende Proteste machen wir das nicht."