Nachbau

Oberhafen-Kantine geht auf Weltreise

Der Hamburger Künstler Thorsten Passfeld hat einen 1:1-Nachbau der Oberhafen-Kantine gezimmert. Sonntag ist Einweihung, 2010 geht's auf Weltreise.

Die Innenverkleidung fehlt noch, die Dämmung und die Artefakte aus dem Original: Spüle und Kaffeemaschine etwa. Sonst aber gleicht das Kunstwerk, ein 1:1-Nachbau der Oberhafen-Kantine, dem Original an der Stockmeyerstraße bis ins Detail - abgesehen von der berühmten Schieflage und der Backsteinverkleidung. Dafür kommen die Fenster aus dem alten Objekt hier wieder zum Einsatz. An diesem Sonntag um 15 Uhr weiht ein Pastor den rund 200 Meter entfernten hölzernen Nachbau feierlich ein, die Sopranistin Julia Wachsmann singt die neue Oberhafen-Hymne "n beten scheef hat gott leev".

Gezimmert hat ihn der Hamburger Künstler Thorsten Passfeld, der bekannt ist für seine Werke aus Abrissholz, das er sich auf Baustellen, in Containern zusammensucht. Auch die Oberhafen-Kantine ist aus Fundholz entstanden, begonnen hat Passfeld mit seiner Arbeit vor rund zehn Wochen. Im nächsten Jahr soll sie auf Reisen gehen: zur Expo nach Shanghai, in den New Yorker Central Park, zum Hyde Park Corner in London. Ein mobiles Kunstwerk, ein Hamburger "Botschafter". Die Holzkantine passt in zwei Überseecontainer, Ab- und Aufbau sollen wenige Tage dauern.

Warum ein solches Projekt? Zum einen als Hommage an die Oberhafen-Kantine, die ehemalige Kaffee-Klappe, die 1925 den Betrieb aufnahm und heute die letzte ihrer Art ist. "Die Mutter aller Coffeeshops also", sagt Kulturinvestor Klausmartin Kretschmer.

Auch, um den Besucheransturm besser bewältigen zu können, schließlich muss der Gastronomiebetrieb weiterlaufen. Das Original für die Hungrigen, der Nachbau für neugierige Besucher. Und für ausgewählte Einzelveranstaltungen, sagt Kretschmer. Vor sechs Jahren hat er zum ersten Mal von diesem Projekt gesprochen, immer wieder hat er Thorsten Passfeld gefragt. Nun hat es geklappt. Mit Bauplänen hat Passfeld sich ans Werk gemacht, künstlerische Freiheiten waren hier nicht gefragt.

Vor allem soll die zweite Oberhafen-Kantine ein "Symbol für Werterhaltung und Nachhaltigkeit" sein. Und ein, mit Ausnahme des Nachbaus von Goethes Gartenhaus 1999 in Weimar, einzigartiges Kunstprojekt. Für Kretschmer komplettiert es zudem das Konzept der Oberhafen-Kantine: "Dort gibt es Nahrung für den Körper, hier Nahrung für die Seele."