Leserbriefe: Extra-Honorare für Klinik-Einweisungen

Systembedingte Fangprämien

Notwendig

Hamburg. "Fangprämie - wie Ärzte die Krankenhäuser unter Druck setzen", Hamburger Abendblatt, 1. September

Eine Diskussion über die sogenannte Kopfprämie für Ärzte, die Patienten gegen "Honorierung" in bestimmte Krankenhäuser einweisen, ist notwendig und hilfreich. Diese sollte sich aber nicht nur auf die Rolle der Ärzte beschränken, sondern auch die Veränderungen im Gesundheitssystem mit einbeziehen, die diese Verträge zwischen Krankenhausträgern und einzelnen Ärzten bzw. Ärzteverbänden erst ermöglichen. Eine weitergehende Berichterstattung darüber, welche Folgen die gewünschte Konkurrenz zwischen medizinischen Versorgern auf die weitere Gestaltung des Gesundheitssystems haben könnte, ist bestimmt auch für die Patienten sehr spannend.

Dr. Klaus-J. Harloff, per E-Mail

Einheitliche Kosten

In allen Wirtschaftszweigen kennen wir Korruption und Bestechung. Nun zahlen also auch die Krankenhäuser verdeckte Prämien an Vertragsärzte, wenn diese lukrative Patienten einweisen. Die "Geburtshelfer" der Fallpauschalen nach Schwere der Erkrankungen waren Politiker, Krankenhauslobbyisten und Kassenfunktionäre, sie machten diese heutige Gegebenheit erst möglich. Hätten wir in den Krankenhäusern ein Vergütungssystem nach einheitlichen Fallkosten des jeweiligen Krankenhauses, wären lukrative Patienten kein Thema mehr.

Günter Steffen, Lemwerder

Schwer zu glauben

Eine Schwellung des Beines hatte den Patienten zum Hausarzt geführt. Die zum Teil teuren Untersuchungen (Phlebografie, MRT) ergaben als Ursache ein Prostatakarzinom. Die prästationären Laboruntersuchungen bestätigten die Vermutung. So einfühlsam wie möglich wurde der Patient aufgeklärt, eine Klinikeinweisung sei unabwendbar. Wie häufig befragt, welche Klinik zu empfehlen sei, nannte ich unter anderem das UKE (normalerweise helfen wir Ärzte nur in Ausnahmefällen wie diesem bei der Suche eines Bettes in der Klinik, um Wartezeiten zu vermeiden). Umso erstaunter war ich, dass trotz abgeschlossener Diagnostik der Patient vom UKE auf das Aufsuchen der urologischen Sprechstunde verwiesen wurde, sprich zur Durchführung von Doppeluntersuchungen auf dem Schein der Krankenhauseinweisung, um dann eine erneute Einweisung vom Arzt anzufordern. Da fällt es einem schwer, an die Geschichte einer Fangprämie zu glauben, wenn man schon als einweisender Arzt kein Bett für seinen Patienten sichern kann.

Dr. Udo Fuchs, per E-Mail

Vergleich

Für mich, den Laien, gleicht die Fangprämie dem System der Krankenkassen, die die Ärzte mit einem Belohnungs- bzw. Bestrafungsregularium zwingen, ihren Kassenpatienten nicht die jeweils beste, sondern günstigste Behandlung zu verordnen.

Doris Wolff, Hamburg

Externe Firmen

Kliniken erklären öffentlich, sie würden Fangprämien an niedergelassene Ärzte ablehnen. Ist es denn weniger verwerflich, wenn man sich die Zuweisung von Patienten durch ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen bezahlen lässt? Es ist in vielen Hamburger Kliniken zur Praxis geworden, dass die früheren Aufgaben des Krankenhaus-Sozialdienstes externen Firmen übertragen werden. Firmen organisieren kostenlos für die Kliniken das Entlassungs- und Überleitungsmanagement in ambulante und stationäre Pflege. Diese Firmen setzen in den Kliniken eigenes Personal ein und lassen sich dieses über monatliche Pauschalen von kooperierenden Pflegeeinrichtungen bezahlen. Im Gegenzug werden Klinikpatienten nur diese Pflegeeinrichtungen zur weiteren Versorgung angeboten.

Jessica Reimers, per E-Mail

Vorschlag

Wenn schon Prämien für die Patienten gezahlt werden, warum wenden sich die Kliniken nicht direkt an die Patienten? In den Arztpraxen könnten von den Kliniken Listen ausgelegt werden, in denen die jeweilige Höhe der Prämie angegeben wird.

Der Patient kann sich dann danach die Klinik aussuchen. Da der Patient ja der "Kunde" ist, steht ihm doch auch dann die Prämie zu.

Heinz Bähr, per E-Mail

Aufklären

Der Patient (Bürger) ist und bleibt der Spielball der Nation. Eigentlich müsste das Hamburger Abendblatt regelmäßig in einer Serie Auffälligkeiten veröffentlichen, mit denen wir täglich zu kämpfen haben. Damit würden Sie für Aufklärung sorgen, die in vielen Bereichen dringend notwendig wäre.

Silvia Bollensen, Brunsbek

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