Leserbriefe

"Raser am Geldbeutel packen"

Funktion der Straßen

Das Ergebnis des vom Abendblatt durchgeführten Geschwindigkeitstests in Tempo-30-Zonen kann Fachleute nicht überraschen. Viele der Straßen sind mir gut bekannt. Sie eignen sich allesamt nicht als temporeduzierte Zone. Die Gründe sind vielfältig: Es sind keine Quartiere, sondern durchgehende Straßen, ihre Funktion ist nicht die Erschließung eines Wohngebiets, sondern Durchgangsverkehr, der Ausbauzustand ist üppig, die Fahrbahnen breit, wenig bis keine Wohnbebauung. Oft sind sogar Vorfahrt-Berechtigungen und andere Beschleunigungsmaßnahmen beibehalten worden. In vielen dieser Fälle ist die Tempobegrenzung entgegen den Empfehlungen der Sachverständigen aus "politischen Gründen" von Ausschüssen der Bezirksverwaltung gefordert und massiv durchgesetzt worden. So kann es nicht wundern, dass die in solchen Fällen ideologisch motivierte Regelung als Bevormundung und Gängelung empfunden wird, die Akzeptanz entsprechend gering ausfällt und die Maßnahme letztlich nur mit Polizeigewalt durchsetzbar wäre.

Hans-Walter Beencke, per E-Mail

Querschwellen

Wenn man die ironisch-kritische Bemerkung beiseite lässt, dass mehr 30-Zonen kostengünstig für die Stadt sind, da mit Blick auf die Menge der maroden Fahrbahnen der Straßen (vor allem Nebenstraßen) das erweiterte Aufstellen von Begrenzungsschildern viel billiger ist als komplette Fahrbahnerneuerungen, stelle ich die Frage, warum mit dem so notwendigen Ziel der Unfallverhütung in diesen Zonen nicht Querschwellen in einigem Abstand eingebracht werden können, der oberste Teil farblich markiert. Diese Maßnahme bremst jeden Raser automatisch ab und ersetzt zum Teil die sowieso kaum durchgeführten Kontrollen. Schauen Sie nach England, USA etc. Dort gibt es seit Urzeiten in residential areas diese "humps" und "bumbs" genannten Geschwindigkeitsreduzierer, und sie wirken. Sind es politische Weltanschauungen bei uns, die diese einfache und effektive Maßnahme verhindern?

Jürgen Eckhoff, per E-Mail

Zu schnell

Vor einigen Jahren morgens um 7.45 Uhr: Ich hatte es wie immer eilig und fuhr zu schnell in einer Tempo-30-Zone (vor einer Schule). Direkt vor der Schule wurde ich von der Polizei angehalten und musste rechts heranfahren. Dort stand eine Gruppe Schüler zusammen mit den Polizisten. Ein Achtjähriger fragte mich dann mit großen Augen: "Tante, warum willst du Kinder totfahren?" Dieses Erlebnis ging mir dermaßen unter die Haut, dass ich es bis heute nicht vergessen habe und seitdem nie wieder zu schnell in einer Tempo-30-Zone fahre.

Manuela Golz, per E-Mail

Uneinsichtig

Wo sind in diesem Fall die Null-Toleranz-Politiker? Offensichtlich muss man die uneinsichtigen Raser da packen, wo es ihnen am meisten wehtut: am Geldbeutel und Führerschein.

Ein drastisches Heraufsetzen der Bußgelder für zu schnelles Fahren in Temp-30-Zonen (Herauslösen aus dem Passus "Innerhalb geschlossener Ortschaften") mit entsprechenden Fahrverboten - natürlich nur mit den dann gegebenen Kontrollmöglichkeiten der Polizei. Es kann doch wohl nicht sein, dass elf bis 25 km/h zu viel in einer 30-Zone nur ebenso bestraft wird wie länger als drei Stunden auf einem Parkscheinparkplatz zu stehen, in der zweiten Reihe zu parken oder durch Parken auf Geh- und Radwegen andere Verkehrsteilnehmer zu behindern.

T. Dietrich, per E-Mail

Heilloses Chaos

Auch ich wohne in einer 30-Zone, durch die die Eltern morgens "brettern", um die Kinder zur Schule zu bringen. Leider nicht nur die, sondern auch Fahrdienste in den Kleinbussen. Was ich noch hinzufügen möchte ist, dass vor Schulen und Kindergärten ein heilloses Chaos herrscht, da die Kinder ja direkt vor der Schultür abgesetzt werden müssen. Haben die keine Beine zum Laufen? Ein tolles Beispiel hierfür ist die Internationale Schule, bei der ich das Glück habe, seit 20 Jahren jeden Morgen dies zu beobachten. Polizei habe ich noch nie gesehen.

Hannelore Körner, per E-Mail

Unsere Erfahrung

Unsere Familie, Autofahrer, wohnt seit fast 23 Jahren in der Tempo-30-Zone Parkstraße mit dem Zusatzschild "Schule" für zwei Gymnasien. Unsere Feststellung: 1.) So gut wie kein Autofahrer hält sich daran, selbst Mütter und Väter von Schulkindern "brettern". 2.) Polizeikontrolle: fast null. 3.) Geh- und Radweg an der Parkstraße zur Schule werden von Autofahrern zugeparkt. Polizeikontrolle: null.

Martin Kummer, 22605 Hamburg

Andere Zonen

Die Probleme auf die 30-Zonen zu beschränken ist betriebsblind. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, wird von allen anderen Verkehrsteilnehmern zum Verkehrshindernis erklärt. Beispiel Alte Landstraße in Hummelsbüttel: Begrenzung jetzt 60 km/h - gefahren wird zwischen 70 bis 80 km/h; vor der Begrenzung auf 60 wurde zwischen 50 bis 70 gefahren, häufig mehr. Dass alle Teilnehmer auch noch ständig links fahren, macht die Sache noch schlimmer.

Peter Jacobsgaard, per E-Mail

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