Entscheidung: Stadt verkauft Baubehörde

Die Stadthausbrücke wird zur Flaniermeile

Das letzte Filetgrundstück in Hamburgs Innenstadt ist weg. Ein Investor bekommt den Zuschlag für ein Areal direkt am Neuen Wall.

Jetzt steht es fest: Grund und Gebäude der Baubehörde gehen für rund 54 Millionen Euro an die Quantum Immobilien AG. Mehr als ein Jahr nach dem Streit um den Verkauf des Areals an der Stadthaubrücke wechselt damit das letzte städtische Filetgrundstück in Hamburgs City den Eigentümer. Einstimmig habe das Auswahlgremium im Bieterverfahren für den Investor gestimmt, sagte Finanzstaatsrat Robert Heller (CDU).

Um den Handel perfekt zu machen, muss die Hamburger Immobiliengruppe jetzt noch ein notariell beglaubigtes Angebot zum Kauf des Grundstücks abgeben. Dieses wird die Finanzbehörde dann der Kommission für Bodenordnung vorlegen und den Verkauf empfehlen. Die zurzeit im Haus angesiedelte Stadtentwicklungsbehörde will zum Start der Internationalen Bauausstellung 2013 in ein neues Gebäude in Wilhelmsburg umziehen (siehe unten). Dann sollen auch die Umbaumaßnahmen an der Stadthausbrücke beginnen.

In dem denkmalgeschützten Gebäude der Stadtentwicklungsbehörde soll künftig ein Mix aus Wohnen, Büroflächen, Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Rund 13 500 der insgesamt 40 000 Quadratmeter Geschossfläche sind für Wohnungen vorgesehen. In den verschiedenen Innenhöfen des Gebäudes ist unter anderem ein ganzjähriger Wochenmarkt geplant. Außerdem soll es ein Boutiquehotel und einen Klub im Souterrain geben. Im Erdgeschoss - am ehemaligen Sitz der Gestapo - wird eine Gedenkstätte eingerichtet. Die Einbindung dieser Gedenkstätte war eine der zahlreichen Ausschreibungsbedingungen. Ein konkretes Konzept dafür müsse noch erarbeitet werden, hieß es aus der Finanzbehörde. Um die ohnehin schon angespannte Parkplatzsituation in der Innenstadt nicht weiter zu verschärfen, soll eine Tiefgarage gebaut werden. Zudem sieht das Sieger-Konzept nach Auskunft der Finanzbehörde eine Verbindung zum Bleichenhof vor. 80 Prozent der Gewerbe- und Gastronomieflächen sei mit einer Absichtserklärung ("Letter of Intent") bereits vergeben. Die historische Bausubstanz des Gebäudes soll nahezu vollständig erhalten bleiben.

Gegen insgesamt zehn Bewerber konnte sich die Hamburger Immobilienfirma in einem Bieterverfahren durchsetzen. Entscheidend neben dem Preis war auch das Nutzungskonzept, die Einbindung des Konzepts in den Städtebau, die Beachtung des Denkmalschutzes sowie die Ansiedlung von Arbeitsplätzen in der Stadt.

Mit der Entscheidung für die Quantum-Gruppe, die unter anderem am Hanseatic Trade Center und an der Bleichenhof-Passage beteiligt ist, geht der Streit um den Verkauf der Behörde zu Ende. Ursprünglich wollte die Stadt das Grundstück nicht in einem Bieterverfahren öffentlich ausschreiben, sondern Anfang 2008 der Garbe Group im Rahmen der städtischen Wirtschaftsförderung an die Hand geben. Nach massiven Protesten der damaligen Opposition am Kaufpreis und am Vergabeverfahren wurde das Verfahren gestoppt, der Verkauf verschoben und Grundstück samt Gebäude doch öffentlich ausgeschrieben. Mehr Geld gibt es nach Auskunft der Finanzbehörde jetzt trotzdem nicht für das Ensemble. "Der Kaufpreis entspricht in etwa dem, was wir auch im Anhandverfahren für das Grundstück bekommen hätten", sagte Staatsrat Heller.

Der Investor reagierte erfreut auf die Entscheidung, an der neben der Finanzbehörde das Bezirksamt Mitte, die Wirtschaftsbehörde, die Stadtentwicklungsbehörde und die Kulturbehörde beteiligt waren. "Wir werden alles dafür tun, dass dieser besondere Ort für alle Hamburger ein einmaliges Erlebnis wird und der bestehende Charme der alten Bausubstanz in eine neue Ära geführt wird", sagte Frank Gerhard Schmidt, Geschäftsführer der Quantum Immobilien AG.