Der Chefredakteur antwortet

Haydn, Basie, Michael Jackson - Genies bleiben!

Sehr geehrter Herr Strunz,

das Lesen Ihrer Sonnabendausgabe wurde mir schon durch den ersten Satz des Aufmachers über Michael Jackson verleidet: "Die Musik-Geschichte ist um ein Genie ärmer". Die Geschichte kann kein Genie verlieren! Denn: Das Genie Jackson bleibt - wie auch die Genies Beethoven, Haydn, Basie etc. bleiben. Für mich leider ein gedankenlos dahergeschriebener Satz.

Franz Taucher, Hamburg

Sehr geehrter Herr Taucher,

Sie haben recht: Die Musik-Geschichte ist in der Tat nicht um ein Musik-Genie ärmer. Das Vermächtnis von Michael Jackson als Sänger, Tänzer, Komponist und Persönlichkeit wird, wie Sie schreiben, bleiben. Dennoch haben wir den Satz, der Ihnen betrüblicherweise unsere vierseitige Würdigung des "King of Pop" verleidet hat, nicht gedankenlos dahergeschrieben.

Denn egal, was Medien und Kritiker über Michael Jacksons körperliche und seelische Verfassung geschrieben haben und noch schreiben: Das Genie war noch nicht am Ende. Das Genie war kurz vor seinem Tod dabei, für sein Live-Comeback in London zu proben. Über 100 unveröffentlichte Songs sollen in einem geheimen Archiv schlummern. Michael Jackson war also dabei, seiner sowohl von großartigen Erfolgen als auch von zahlreichen Rückschlägen gezeichneten Karriere ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Dieses Kapitel, egal welchen Ausgang es gehabt hätte, blieb unvollendet. Wer weiß, was das Genie Michael Jackson der Musik-Geschichte noch hinzugefügt hätte?

In diesem Sinne fehlt uns sein Genie. Es fehlt Millionen von Fans weltweit genauso wie die Genies des "Klub 27", die mit 27 Jahren verstorbenen Legenden Janis Joplin, Jimi Hendrix, Brian Jones, Jim Morrison und Kurt Cobain. Es fehlt wie die anderen, viel zu früh gestorbenen Pop-Ikonen wie Buddy Holly, Elvis Presley oder Otis Redding. Sie alle hätten uns, wären sie so alt geworden wie Count Basie oder Joseph Haydn, noch so viel Begeisterung (und Enttäuschung) schenken können. Nach ihrem Tod blieb ein Gefühl der Leere. Wie auch jetzt bei Michael Jackson. Das empfinde sogar ich, wenn ich wieder "Billie Jean", "Man In The Mirror" und "Beat It" höre - obwohl ich eigentlich eher Prince mochte.

Herzlichst,

Ihr

Claus Strunz