Bauwagen: Heute wird in Altona der Mietvertrag über vier Jahre unterzeichnet

"Wir wollen einfach nur anders wohnen ..."

Das Abendblatt besuchte Michael Breipohl, einen Bewohner, der seit mehr als 15 Jahren in der Szene lebt.

Es riecht nach Holzfeuer, Hunde spielen zwischen den Pfützen, und weißer Qualm dringt aus einigen Schornsteinen. Um 11 Uhr morgens auf dem Bauwagenplatz Rondenbarg in Bahrenfeld ist noch nicht viel los. Hin und wieder huscht einer der meist schwarz gekleideten Bewohner mit einem Handtuch unterm Arm zum Toilettenwagen. Junge Menschen darunter, aber auch ältere, zerfurchte Gesichter.

Die gut 20 Holzwagen, Wohnbusse und Schuppen erinnern an vieles: Campingplatz, Villa Kunterbunt, aber auch an Mad-Max und Schrottplatz. "Nicht Schrott, Verwertungsgegenstände sind das", verbessert Michael Breipohl und grinst. 48 Jahre alt ist er, trägt blond gefärbte längere Haare und ist so etwas wie ein Sprecher der etwa 36 Bewohner. "Ich bin ein Alt-Hippie, der mit Punks zusammenlebt", sagt er und lädt zu einer Tasse Kaffee ein.

Am heutigen Mittwoch hat er einen wichtigen Termin: Die knapp 80 Bewohner der beiden Bauwagenplätze Rondenbarg und Gaußstraße im Bezirk Altona unterzeichnen im Bezirksrathaus einen Mietvertrag über vier Jahre. Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung um Hamburgs Bauwagenplätze, nach Räumungen und Bambule-Demos wie 2002 im Karolinenviertel sind damit zumindest die beiden Altonaer Bauwagenplätze einen deutlichen Schritt weiter in Richtung einer endgültigen Lösung gekommen. "Vier Jahre, das ist schon gut, damit kann man etwas anfangen", sagt Michael Breipohl. In seinem engen Mobilheim knistert ein Ofen, Zigarettentabak und Blättchen liegen neben Kaffeetassen auf dem Regal, auf der Bank ein Weihnachtskalender und die Mitgliederzeitschrift der Hamburger Handelskammer. "Bin eben selbstständig", sagt Breipohl. Er baut im Schuppen nebenan Fahrräder zusammen, sogenannte Custom-Chopper mit viel Chrom und Lampen, die er übers Internet weltweit verkauft. Kleine Mofa-Motoren importiert er aus China.

"Bei Geschäftsreisen trage ich dann auch einmal Anzug," sagt er und zeigt die Einreisestempel in seinem Pass. "Wir wollen hier einfach nur anders wohnen, freier, ungezwungener", sagt er. Einige der Bewohner arbeiten normal oder studieren, viele leben aber auch von Hartz IV. "Sie stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung", wie es Breipohl formuliert, und das klingt dann eher fröhlich als ironisch. Klar, linksautonom seien sie alle hier. "Wenn auch ruhiger geworden", glaubt er.

Seit mehr als 15 Jahren führt Michael Breipohl schon ein solches Leben. Seine Geschichte ist daher auch so etwas wie die Geschichte der Hamburger Bauwagenplätze: In Bielefeld ist er aufgewachsen, hat einmal Koch gelernt. Seine damalige Freundin, eine Sozialarbeiterin, fand dann einen Job in Hamburg. Breipohl kam mit und war schnell von der Hafenstraße-Szene fasziniert. Irgendwann besorgte er sich Trecker und einen Bauwagen. Mit anderen Autonomen besetzte er damit Altenwerder, das für die Hafenerweiterung weichen sollte.

Die Polizei kam und eskortierte ihn schließlich zum Bauwagenplatz Gaußstraße. Ein Areal in Ottensen, das Anfang der 90er-Jahre eigens dafür eingerichtet wurde, später aber immer wieder geräumt werden sollte, wie viele andere auch. Von den ursprünglich etwa zehn Bauwagenplätzen in Hamburg sind nur noch drei geblieben.

Als an der Gaußstraße vor acht Jahren das Ökokaufhaus Vivo gebaut wurde, zog er mit anderen zum Rondenbarg, einer ehemaligen Sondermülldeponie im heutigen Gewerbegebiet. 2005 gab es unter Schwarz-Grün in Altona dann die ersten Nutzungsverträge mit den beiden Plätzen im Bezirk. Im Sommer kaufte die Stadt auf Drängen des Bezirks die Fläche an der Gaußstraße für geschätzte 2,5 Millionen Euro. Wie das Areal am Rondenbarg sind nun beide Bauwagenplätze in Altona in städtischem Besitz. Gut 150 Euro im Monat sollen die Bewohner vom Rondenbarg künftig pro Person zahlen. Zu wenig sei das bei der "miesen Lage" nicht, findet Breipohl. Seine zweijährige Tochter jedenfalls lebt mit seiner Freundin in einer Wohnung. Das sei besser für kleine Kinder, meint Breipohl.

Aber er will weiter bleiben: "So frei kann ich nirgendwo anders in der Stadt leben."