Oben ohne in Shanghai - das 20-Sekunden-Missverständnis

Zwischenfall mit Dollhouse-Tänzerin. Trotzdem war die Messe für Hamburg ein großer Erfolg.

"Es war die beste Veranstaltung aller deutschen Bundesländer, die es in der letzten Zeit in Shanghai gegeben hat." So lobte Dr. Wolfgang Röhr, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, in Hamburgs chinesischer Partnerstadt Shanghai die Tourismus-Präsentation und Ham-burg-Gala vom 15. November im Shanghaier Shangri-La-Hotel.

Diesen Eindruck der Werbeveranstaltung der Hamburg Tourismus GmbH konnte auch ein 20-Sekunden-Missverständnis vom Vortag nicht trüben: Auf einem Messestand des in Hamburg ansässigen chinesischen Reiseunternehmens Caissa Touristic AG bei der größten Reisemesse Chinas sollte die Drei-Minuten-Performance eines Table-Dance-Paares aus dem Dollhouse für Aufmerksamkeit sorgen. Die Idee dazu stammte von Caissa. Das Unternehmen soll ab Januar mehr Touristen aus China nach Hamburg holen.

Weil Caissa-Chef Chen Mang die strenge Moral seines Heimatlandes gut kennt und keinen Ärger riskieren wollte, gab er nach eigenen Worten die eindeutige Anweisung: "Kein Oben-Ohne - und schon gar keine nackten Tatsachen." Die Tanzeinlage sollte als Hingucker am Messestand mehrfach wiederholt werden. Eine weitere Information hatten die Dollhouse-Tänzer offenbar aber missverstanden: Während es auf der Hamburg-Gala am nächsten Tag absolut züchtig zugehen müsse, sei auf der Messe etwas mehr erlaubt. Der Beginn ihrer Show-Einlage dort - mit Kutten, Kerzen und Leder - war dann auch deutlich professioneller als die Darbietungen miniberockter Go-go-Girls in den Hotelbars von Shanghai.

Etwa 1000 überwiegend chinesische Messebesucher blieben interessiert und freundlich staunend stehen. Irritiert waren sie erst, als die Tänzerin im Eifer des Gefechts ihr Oberteil ablegte und ein ebenso überraschter Mitarbeiter von Caissa den Auftritt nach 20 Sekunden oben ohne beendete. Wiederholungen fielen aus. "Ein Missverständnis", bedauerten die Tänzer später.

Hamburg-Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll (52) nahm daraufhin sicherheitshalber auch den geplanten "sehr zahmen" Show-Auftritt bei der Hamburg-Gala aus dem Programm. So bejubelten etwa 250 chinesische Reisefachleute und Journalisten zwischen China-Büfett, Hamburger Delikatessen, Buddelschiffen und Holsten-Bier das Kulturprogramm der Gala mit Gottfried Böttger (52, Klavier), Reiner Regel (Klarinette/Saxophon) sowie Udo Lindenberg (56) und Ellen ten Damme (Gesang).

Für Albedyll war die Tanzeinlage höchstens eine "Randnotiz" der China-Reise. "Ich bedauere, wenn durch Medienberichte ein anderer Eindruck entstanden ist", so Albedyll. Insgesamt sei die Hamburg-Präsentation in Shanghai ein großer Erfolg gewesen.

Das sah auch Norbert Aust (59) vom Schmidts Tivoli so. "Für Hamburg war das eine wichtige Reise", so Aust. "China ist unglaublich beeindruckend. " Hamburg habe sich außerordentlich gut präsentiert. Der barbusige Auftritt sei "völlig harmlos" gewesen - und überdies nicht Teil der offiziellen Hamburg-Werbung gewesen.