Eskalation: Auseinandersetzung um heikle Behauptungen

Streit mit Bismarck - Haft für Klaus Schädel

Ein CDU-Politiker aus Ahrensburg lässt sich lieber einsperren, als dem Grafen nachzugeben.

Den schwarzen Aktenkoffer und die Ledertasche fest in der Hand steht Klaus Schädel (49) vor dem Amtsgericht Ahrensburg. Es ist 11.15 Uhr, als ihn Obergerichtsvollzieher Andreas Schomann in Erzwingungshaft nimmt. Schädel ist freiwillig gekommen, steigt jetzt in Anzug und Kurzmantel in den schwarzen VW Golf und wird in die Justizvollzugsanstalt Lauerhof in Lübeck gefahren. Ein Rebell taucht ab - möglicherweise lange.

Dies ist der vorläufig letzte Akt eines seit September 2005 schwelenden juristischen und auch kommunalpolitischen Streits. Die Hauptrollen spielen neben Schädel der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Carl-Eduard von Bismarck (47) und Teile der Ahrensburger CDU.

Klaus Schädel ist ein Kleinunternehmer in Ahrensburg, der anderer Leute Umzüge organisiert. 2003 war er der örtlichen CDU beigetreten, um Kommunalpolitik zu machen. Er wurde Mitglied im Finanzausschuss und gehörte dann auch dem CDU-Vorstand an.

"Während des Bundestagswahlkampfes 2005 habe ich für unseren Kandidaten Carl-Eduard von Bismarck Plakate geklebt", erzählt er. Anfang September, der Wahlkampf war in der heißen Phase, fällt Schädel ein Brief in die Hände. "Auf dem Briefkopf las ich 'Graf von Bismarck & Manthey KG Erlesene Stadt- und Landimmobilien'." Und dieser Matthias Manthey, meint er zu wissen, sei Mitglied bei Scientology. Schädel sucht im Internet, findet Mantheys Namen in einschlägigen Listen.

Was aber hat Carl-Eduard von Bismarck damit zu tun? Macht er gemeinsame Geschäfte mit einem Mann, der Scientologe sein soll?

Schädel will von seiner Partei wissen, ob das in Ordnung ist, und schreibt am 3. September 2005 einen Brief gleich an die Parteispitzen in Berlin, in Kiel und in Ahrensburg. Drei Tage später, so hat er protokolliert, habe dann von Bismarck bei ihm angerufen und mit juristischen Schritten gedroht. Prompt kommt ein Brief von einer Hamburger Kanzlei. Darin wird klargestellt: "Er (von Bismarck) hat und hatte nie etwas mit Scientology zu tun."

Schädel ist das zu wenig, er will weitere Auskünfte und stellt weiter Fragen. "Ich habe nie etwas behauptet, ich habe immer nur gefragt", darauf besteht der Spediteur nach wie vor unter Verkennung der juristischen Folgen.

Er ärgert sich fortan vor allem, dass er von seiner CDU keine Antwort erhält, dass sich außer ihm offenbar niemand wirklich dafür interessiert. Es sei eine Privatfehde, die er da austrage, heißt es. Jetzt wird Schädel zum Rebellen und macht sich offenbar Feinde.

Parallel dazu läuft die juristische Auseinandersetzung mit den Anwälten von Carl-Eduard von Bismarck weiter. "Ich habe keine Unterlassungserklärung unterschrieben, weil ich nichts behauptet, sondern nur etwas gefragt habe." Schädel bleibt stur, lässt alle Fristen verstreichen und ist deswegen gestern verhaftet worden.

Jetzt hat sich der Ahrensburger dann doch einen Anwalt genommen, mit ihm wird er heute in seiner Zelle zwei dicke Aktenordner durchgehen. Die drohenden sechs Wochen Haft kann Schädel sofort beenden, wenn er eine eidesstattliche Versicherung unterschreibt oder eine Geldforderung begleicht.

Und was sagt Carl-Eduard von Bismarck, der mittlerweile selber aus der CDU ausgetreten ist, dazu? Er könne sich kaum noch erinnern, so lange liege das zurück. "Das ging Jahre hin und her. Da habe ich keine Infos mehr, das macht mein Anwalt", sagte der Ex-Parlamentarier gestern dem Abendblatt. Auch an seine Zeit im Bundestag hat er offenbar nicht so gute Erinnerungen. Immerhin ist er jetzt sogar aus der CDU ausgetreten.