Hamburg persönlich

Hatice Akyün - Leben zwischen Ali und Hans

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Caroline Rudelt

Im Kebabci in Altona ist sie Hatice. Eine Türkin mit türkischer Seele. Um die Ecke, im Café mit ihren deutschen Freunden, ist sie Hatice. Eine...

Im Kebabci in Altona ist sie Hatice. Eine Türkin mit türkischer Seele. Um die Ecke, im Cafe mit ihren deutschen Freunden, ist sie Hatice. Eine Deutsche mit deutschem Herz.

Hatice Akyün, Buchautorin und Journalistin, geboren in einem anatolischen Dorf, aufgewachsen in Duisburg, fühlt sich in beiden Welten zu Hause. "Ich kann das nicht auseinanderdividieren. Es gibt deutsche und türkische Seiten an mir", sagt die 39-Jährige. In ihren Büchern "Einmal Hans mit scharfer Soße" und "Ali zum Dessert" beschreibt sie mit viel Humor ihr Leben als Deutschtürkin - und möchte damit Brücken schlagen. "Ich bin nicht naiv. Meine Bücher können nicht die Probleme dieser Welt lösen", erzählt sie. Aber vielleicht einen kleinen Beitrag dazu liefern.

Hatice Akyün wurde traditionell erzogen. Ihre Eltern, beides Analphabeten, sprechen bis heute ausschließlich Türkisch. Sie selbst lernte vor allem durch das Lesen von Märchenbüchern die deutsche Sprache, war auf die Hilfe von ihren deutschen Freunden angewiesen. Ein Umstand, den sie ihrer knapp zweijährigen Tochter Merve ersparen will. "Ich rede ausschließlich Deutsch mit ihr, mein Freund Türkisch", sagt die Autorin. Sie selbst sei mit "Blick auf die Türkei" erzogen worden. Manchmal habe sie sich deshalb ausgeschlossen gefühlt. "Die Zukunft meiner Tochter liegt in Deutschland. Es ist wichtig, dass sie hier sozialisiert ist."

Mit ihrem Freund, einem Journalisten, ebenfalls in der Türkei geboren, und der gemeinsamen Tochter lebt Hatice Akyün seit April in Hamburg. Er will heiraten, sie nicht. "Auch wenn meine Eltern einiges für die Hochzeit geboten hätten", sagt sie und lacht.

Doch bei aller Leichtigkeit, mit der die Journalistin das Nebeneinander von Deutschen und Türken beobachtet - die Augen vor Diskriminierungen auf beiden Seiten kann und will Hatice Akyün nicht verschließen. "Wir hatten in Hamburg Probleme, eine Wohnung zu finden. Die Eigentümer wollten keine Ausländer", sagt sie. Solchen Vorurteilen gehe sie mit Pragmatismus entgegen. "Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die trennt." Diese Angst versucht sie abzubauen. Mit ihren Geschichten. Über Hatice. Eine Frau mit türkischer Seele und deutschem Herz.

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