Partnerschaft zu Marseille: "Mit neuem Leben füllen"

Vive l`Amitié - es lebe die Freundschaft. Dass das auch nach 50 Jahren Städtepartnerschaft noch immer für Hamburg und Marseille gilt, beweist der...

Marseille. Vive l`Amitie - es lebe die Freundschaft. Dass das auch nach 50 Jahren Städtepartnerschaft noch immer für Hamburg und Marseille gilt, beweist der derzeitige Besuch der Hamburger Delegation zum Jubiläum in der Mittelmeermetropole. Und auch wenn diese Freundschaft "lange Zeit nur so dahingedümpelt" ist - in einem waren sich Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Marseiller Amtskollege Jean-Claude Gaudin beim offiziellen Festakt einig: Sie wollen die Partnerschaft mit neuem Leben füllen. Noch in seiner Festrede vor rund 250 geladenen Gästen schlug Gaudin Ole von Beust vor, "einen Lenkungsausschuss einzurichten", um den weiteren Verlauf der Städtepartnerschaft zu organisieren. Von Beust nahm das Angebot an.

Ein Grund, warum vor allem Marseille auf eine Intensivierung der Partnerschaft hofft, ist der geplante Ausbau des städtischen Containerhafens. Hier könnte die Hafenstadt Marseille von den Erfahrungen Hamburgs profitieren. Marseille-Fos ist Frankreichs größter und weltweit drittgrößter Ölhafen. Das Zeitalter der Containerschiffe hatte Marseille aber jahrelang verschlafen. Das soll sich nun ändern. 2007 wurden erstmals eine Million Container abgefertigt. Bis 2010 soll mit zwei neuen Terminals die Zwei-Millionen- Marke überschritten werden. Die Prognose für Hamburg beträgt rund 14 Millionen.

Aber nicht nur Marseille könnte von engeren Beziehungen profitieren. Davon, wie viel die beiden Städte, trotz ihrer großen Entfernung, gemeinsam haben, konnte sich von Beust bei seinem Tagesprogramm überzeugen. Begleitet wurde er von einer Senatsdelegation und zehnköpfigen Bürgerschaftsdelegation, darunter Bürgerschaftspräsident Berndt Röder.

Die ganz offensichtlichen Gemeinsamkeiten sah sich von Beust am Morgen an. Das Stadtentwicklungsprojekt "Euromediterranee" sieht vor - ähnlich wie in der Hamburger HafenCity - ehemalige Hafenflächen und Altbauquartiere zu sanieren, dort neuen Wohnraum zu schaffen und Unternehmen anzusiedeln. "Es ist schon lustig", bemerkte von Beust dann auch, "da fährt man nach Südfrankreich und hört etwas von einer HafenCity."

Besonders interessierte ihn aber ein anderes Projekt: die "Zone Franche Urbaine" (ZFU). Die Idee: Um die Arbeitslosigkeit in sozial besonders problematischen Stadtteilen zu bekämpfen, versucht man, Firmen durch steuerliche Anreize zu bewegen, sich in diesen Stadtteilen anzusiedeln und ein Drittel der Arbeitsplätze mit Menschen von dort zu besetzen. Immer wieder fragte von Beust nach. Vor allem über die Steuerbefreiung für die Unternehmen wollte er Bescheid wissen. Ein Besuch, der den Bürgermeister nicht unbeeindruckt ließ. "Ich habe gerade einen Mitarbeiter beauftragt zu prüfen, wie und ob das auch in Hamburg funktionieren könnte", sagte von Beust direkt im Anschluss. Das sei natürlich nur sinnvoll, wenn es sich rechne. Heute steht der Besuch der Hubschrauberfertigung von Eurocopter (EADS) auf dem Plan. Nachmittags geht es zurück nach Hamburg.