Elbphilharmonie: Senatorin begründet neue Personalstruktur

"Die Kompetenz reichte nicht aus"

Karin von Welck hält externen Sachverstand aufseiten der Stadt beim Bau des Großprojekts in der HafenCity für dringend erforderlich.

Es ist das Eingeständnis, zumindest teilweise gescheitert zu sein. "Die Kompetenz der bisher Beteiligten reichte nicht aus. Wir brauchen dringend externen Sachverstand", gab Kultursenatorin Karin von Welck einen Tag nach dem Rauswurf des Elbphilharmonie-Chefmanagers Hartmut Wegener zu und begründete damit die Neustrukturierung der Verantwortlichkeiten bei der Realisierung des Baus.

Nicht nur der Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft (Rege) hat seinen Posten verloren und wird durch den Ex-Rege-Projektleiter Heribert Leutner ersetzt. Auch der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der Elbphilharmonie Bau KG, Senatskanzlei-Staatsrat Volkmar Schön, wird abberufen. Auf Schön folgt der frühere Unilever-Deutschland-Vorstandschef Johann C. Lindenberg (siehe nebenstehenden Bericht).

Wie berichtet, will der schwarz-grüne Senat noch mehr "externen Sachverstand" in die Verantwortung für die Realisierung des in Turbulenzen geratenen Großprojekts holen. "Es reicht nicht, den Führungsstil zu ändern", sagte von Welck in Anspielung auf den geschassten Wegener. "Wir müssen das Projekt auf breitere Basis stellen." Mit dem Juristen Friedrich Wilhelm Boyens, dem Vorstandschef der Egon Zehnder International, zieht ein erfahrener Projektleiter in den Aufsichtsrat ein.

Vor allem von dem neuen Bauausschuss, der die Rege ehrenamtlich beraten soll, verspricht sich von Welck viel. Noch steht nicht fest, wer dem zehnköpfigen Gremium angehören wird.

Es ist der Versuch, der Übermacht der Vertragspartner beim Bau der Elbphilharmonie etwas entgegenzusetzen. "Niemand hat damit gerechnet, dass der Generalunternehmer Hochtief und die Generalplaner Herzog & de Meuron personell so aufrüsten", räumte Kulturstaatsrat Reinhard Stuth ein, der stellvertretender Aufsichtsratschef der Bau KG ist. Hochtief beschäftige eine "hohe zweistellige Zahl" von Juristen, die nur darauf achteten, welche Bauverzögerungen in Rechnung zu stellen seien. Herzog & de Meuron hätten ebenfalls eine "hohe zweistellige Zahl" von Architekten für den Bau abgestellt. "Dagegen hat die Rege gerade einmal zwei Hände voll Mitarbeiter", machte Stuth das ungleiche Verhältnis deutlich.

"Alle haben die Komplexität des Baus unterschätzt", räumte auch Dieter Peters, der zweite Geschäftsführer der Rege, ein, der im Amt bleiben wird. Zu den Mehrkosten des Projekts wollten weder Peters noch von Welck oder Stuth sich äußern. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll sich die Kostensteigerung inzwischen auf 140 Millionen Euro belaufen, sodass die Elbphilharmonie am Ende 380 Millionen Euro kosten würde.

Die Höhe der Mehrkosten soll sich aus dem Bericht von externen Fachleuten ergeben, die im Auftrag der Kultursenatorin die Lage analysiert hatten. "Nein, der Bericht enthält keine Zahl zu den Mehrkosten oder Modellrechnungen", sagte dagegen Staatsrat Stuth. "Das haben wir auch nicht erfragt."

Trotz des heftigen Streits um die Mehrkosten nicht zuletzt zwischen der Rege und Hochtief gab sich von Welck optimistisch. "Wir werden die Elbphilharmonie 2011 eröffnen", sagte die Senatorin. Peters wies Berichte zurück, nach denen der Bau 23 Monate hinter den Planungen zurückliege. "Wir sind 4,5 Monate gegenüber dem alten Eröffnungsdatum 2010 zurück. Der Verzug wird Ende des Jahres noch weiter anwachsen", sagte Peters. Wegen der Verzögerungen hatte der Senat den Eröffnungstermin auf die Konzertsaison 2011/2012 verschoben. Im Laufe des Herbstes will von Welck ein Zwischenergebnis zu Baufortschritt und Mehrkosten vorlegen.

Filmberichte zum Chaosbau der Elebphilharmonie