Baukosten explodieren: Senat gibt Geschäftsführer die Schuld

Elbphilharmonie: Beust feuert seinen Chef-Manager

Hartmut Wegener: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen." Bauarbeiten 23 Monate hinter dem Zeitplan?

Hamburg. Die Turbulenzen um den Bau der Elbphilharmonie in der Hamburger HafenCity haben zu personellen Konsequenzen geführt: Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat Chef-Manager Hartmut Wegener, den Geschäftsführer der städtischen Realisierungsgesellschaft (Rege), entlassen. Nachfolger soll der ehemalige Rege-Projektleiter für die Elbphilharmonie, der Architekt Heribert Leutner, werden.

Entscheidend für den Rauswurf Wegeners, über den seit Tagen spekuliert worden war, sind die drastischen Preiserhöhungen des Leuchtturmprojekts und die drohende Zeitverzögerung für die Fertigstellung des Baus.

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Klar ist: Der vereinbarte Festpreis von 241 Millionen Euro ist wegen steigender Baustoffpreise und Änderungen an der ursprünglichen Planung nicht zu halten. Zuletzt hieß es, dass die Mehrkosten rund 100 Millionen Euro betragen können. Die Baufirma Hochtief soll schon jetzt mit den Arbeiten um 23 Monate zurückliegen, sodass der Eröffnungstermin 2011 kaum mehr zu halten ist.

In ungewöhnlich deutlichen Worten schiebt der Senat nun Wegener die Schuld für die Misere zu. Die politisch zuständige Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) sprach von "Verkantungen", die es zwischen der Rege, Hochtief und den Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gibt. "Die Lösung der anstehenden Aufgaben in der gegenwärtigen personellen Konstellation scheint ausgesprochen schwierig", heißt es in einer Mitteilung des Senats zur Entlassung unmissverständlich.

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Wegener, der von seinem Rauswurf gestern Morgen in einem Gespräch mit von Beust erfuhr, reagierte sportlich. "Wat mut, dat mut. Ich gehe mit erhobenem Haupt und habe mir nichts vorzuwerfen", sagte er dem Abendblatt.

Der Senat nutzt den Rauswurf Wegeners, um die fachliche und bauliche Verantwortung für das Projekt neu zu ordnen. Von Welck sagte: "Es ist der Versuch, den gordischen Knoten zu durchschlagen." Neuer Aufsichtsratschef der Elbphilharmonie Bau KG soll Ex-Unilever-Deutschland-Vorstandschef Johann C. Lindenberg werden. Externen Sachverstand will der Senat auch durch ein neues Beratungsgremium hinzuholen. "Politische Verantwortung kann man weder abschieben noch entlassen", sagte SPD-Fraktionschef Michael Neumann.