"Gemeinschaftsstraße" statt "Share Space"

Es ist eine vielversprechende Idee, der Abendblatt-Leser nun einen Namen gegeben haben. Auf einigen Straßen in Hamburg soll Rücksicht, nicht...

Es ist eine vielversprechende Idee, der Abendblatt-Leser nun einen Namen gegeben haben. Auf einigen Straßen in Hamburg soll Rücksicht, nicht Vorschrift das Miteinander im Verkehr regeln. "Shared Space" heißt das Vorbild und Pilotprojekt im niedersächsischen Bohmte, wo sich bereits Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichberechtigt eine Verkehrszone teilen. "Shared Space" wäre ein weiteres englisches Wort im Alltag. Darüber kann man streiten, denken offenbar viele Hamburger: Hunderte Abendblatt-Leser folgten dem Aufruf der Redaktion und schickten Vorschläge mit deutschen Begriffen ein.

An der anschließenden Abstimmung nahmen insgesamt 2863 Leser teil, 152 per Post, 2711 im Internet unter abendblatt.de/sharedspace. Das Ergebnis hat das Abendblatt nun Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) überreicht.

Und der Gewinner ist: "Gemeinschaftsstraße" mit 775 Stimmen.

"Ein einfaches und treffendes Wort", sagte Senatorin Anja Hajduk. "Wir werden den Begriff bei der weiteren Projektplanung als Anregung berücksichtigen". "Wir", damit meint Senatorin Hajduk ihre Behörde und die Bezirke. Sie wolle das Verkehrskonzept nicht "von oben" anordnen, sondern viele Entscheidungsträger einbeziehen. Derzeit sind die Gremien der jeweiligen Stadtteile dazu aufgerufen, Stellen zu benennen, die zur gemeinschaftlichen Straße werden könnten. So viel sickerte schon durch: Eimsbüttel denkt über Teile der Osterstraße nach, im Bezirk Mitte ist die Lange Reihe im Gespräch. In den kommenden Monaten will der Senat von einer Arbeitsgruppe prüfen lassen, wie das bisher nur in Kleinstädten erprobte Verkehrskonzept in Hamburg umgesetzt werden kann. Eckpunkte: ausreichend Parkplätze und Umgehungsmöglichkeiten für den Verkehrsfluss. Bereits im nächsten Jahr würden dann "ausgewählte Orte" feststehen, um das Projekt zu testen.

Sollte sich "Gemeinschaftsstraße" nicht durchsetzen, könnte die Stadtentwicklungsbehörde weitere Anregungen der Abendblattleser umsetzen: Mit insgesamt 655 Stimmen belegt "Straße für alle" den prominenten zweiten Platz. "Zebra-Zone" liegt mit 270 Stimmen auf Platz drei, in Anlehnung an den Zebrastreifen, der übrigens auch eine Erfindung der Abendblattleser ist (siehe Kasten). Für "Rücksichtszone" stimmten 260 Leser.

Auf Platz fünf steht "Toleranzverkehr" (257 Stimmen). Auch der wohl kreativste Name fand einige Zustimmung bei den Lesern: "Efa", für "Eine für alle" wünschen sich 237 der teilnehmenden Leser. Kurz darauf folgt "Fairkehr" (Fairer Verkehr) mit 219 Stimmen. "Geh-Fahr-Straße" traf auf 101 Zustimmungen. Moralisch wünschen es sich 43 Teilnehmer: "Gutwillstraße". Auch auf dem letzten Platz steht ein einfallsreicher Begriff: Allbahnstraße. Und diese Idee deutet an: Auf einer Straße für alle führen viele Wege ans Ziel. (Die Angaben stammen aus gerundeten Prozentwerten.)