Rotherbaum: Einrichtung nach Shanghaier Vorbild öffnet am 25. September

Hamburgs neues Haus der Tee-ologie

3400 Quadratmeter Shanghai mitten in Hamburg: Drachenköpfe auf dem Dach, Goldornamente auf dunklen Holzstelen und ein Garten nach Feng-Shui-Prinzip...

3400 Quadratmeter Shanghai mitten in Hamburg: Drachenköpfe auf dem Dach, Goldornamente auf dunklen Holzstelen und ein Garten nach Feng-Shui-Prinzip - an der Feldbrunnenstraße (Rotherbaum), hinter dem Museum für Völkerkunde, entsteht derzeit das "Hamburg-Shanghai Europa Tourismus Zentrum" - eine architektonische Kopie des zweigeschossigen Huxinting-Teehauses aus dem Yu-Garten, der zu den Touristenmagneten in der chinesischen Metropole Shanghai zählt. Am 25. September, pünktlich zur China Time 2008, wird Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit 180 Gästen das Zentrum, in dem auch ein gehobenes chinesisches Restaurant namens Grüne Welle (etwa 80 Plätze) eingerichtet wird, bei einer traditionellen Teezeremonie eröffnen.

Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) hat sich gestern mit dem Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell (SPD) die Baustelle angesehen - und begeisterte sich insbesondere für den 200 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum im Obergeschoss, der für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden soll: "Dieses Zentrum wird ein wichtiger Ort des Austauschs", so die Senatorin. "Eine Brücke zwischen Hamburg und Shanghai, die seit mehr als 20 Jahren eine Städtepartnerschaft verbindet."

Diese Städtepartnerschaft ist auch der Hintergrund für das Projekt: Im März vergangenen Jahres hatte die Bürgerschaft beschlossen, der Stadt Shanghai das Grundstück an der Feldbrunnenstraße für 30 Jahre kostenfrei zu überlassen. Im Oktober 2007 wurde der Grundstein für den Bau gelegt. Bauherr ist die Firmengruppe Shanghai Yuyuan Tourist Mart. Die Kosten für das Teehaus? "Sehr viel Geld", sagt Firmenpräsident Wu Ping. Die meisten Materialien, darunter allein mehr als 100 000 Dachziegel mit alten chinesischen Schriftzeichen, die unter anderem "Glück", "Wohlstand" und "Gesundheit" bedeuten, wurden in knapp 50 Containern eigens aus China angeliefert. Auf der Baustelle sorgen mehr als 40 chinesische Fachkräfte der Firma CZICC dafür, dass alles nach chinesischer Tradition verlegt und angefertigt wird. "Dieses Gebäude wird sogar noch schöner als das Original in Shanghai", sagt CZICC-Präsident Li Hongbao. Der deutsche Architekt Andreas Schuberth hat die Bauaufsicht - und verständigt sich oft mit "Händen und Füßen": "Meistens steht mir jedoch ein Dolmetscher zur Seite." Trotzdem sei der Alltag eine Herausforderung: "Für 'Abdichtung' gibt es beispielsweise eine einzige chinesische Übersetzung. Doch hier unterscheiden wir zwischen neun verschiedenen Dichtungen."

Wo jetzt noch Betonboden zu sehen ist, wird in wenigen Wochen ein 2000 Quadratmeter großer Garten mit Teich angelegt sein. Eine Zickzackbrücke wird zum Teehaus führen. Architekt Schuberth: "Sie hat eine Bedeutung, soll böse Geister abhalten." Das ist gut so, denn von Hamburg aus will Shanghai, Gastgeber der Expo 2010, das gesamte Europa-Marketing für die Weltausstellung abwickeln.