Olympia: Stadt zahlt 45 000 Euro für das "Deutsche Haus"

Hamburg-Abend in Peking - nobel, teuer, aber sinnlos?

Eigentlich sollte für die Universiade 2015 geworben werden - doch um die steht es schlecht. Nun sind die Macher ratlos.

Es sollte die große Bühne für die Universiade-Bewerbung werden - der Hamburg-Abend während der Olympischen Spiele im Deutschen Haus in Peking. 45 000 Euro kostet die Veranstaltung. Ein Vorzugspreis. Eine große hochrangige Delegation wollte anreisen, um Hamburgs Ruf als Sportstadt zu festigen. Doch bekanntlich steht die Bewerbung um die Welt-Studentenspiele 2015 kurz vor dem Aus. Und niemand weiß so recht, was bei dem "Hamburg-Abend" in Peking eigentlich passieren soll.

Gestern hat Ole von Beust Hamburgs Sportler zu den Olympischen Spielen verabschiedet. Der Bürgermeister selbst fliegt nicht nach Peking. Das hätte er nur im Fall einer Hamburger Olympiakandidatur getan. Die aber hatte er vor neun Monaten, da unrealistisch, beendet. Als amtierender Bundesratspräsident, protokollarisch der dritte Mann im Staat, wollte von Beust dem chinesischen Regime nicht seine Aufwartung machen. Jetzt vertritt der für Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble Deutschland bei Olympia. Hamburg will sich dennoch in China präsentieren. Und das wird jetzt zum Problem.

Die Bewerbungsgesellschaft für die Universiade hatte bei der Deutschen Sport-Marketing GmbH (DSM) den Abend des 11. August im "Deutschen Haus" im Fünf-Sterne-Hotel Kempinski, Treffpunkt der Olympioniken vor Ort, reservieren lassen. Die DSM, Tochter der Stiftung Deutsche Sporthilfe und des Deutschen Olympischen Sportbundes, verlangt für Kunden, die nicht aus dem Sport kommen, das Doppelte.

Doch Hamburgs Vertreter aus Sport und Politik suchen nach dem Sinn des Abends. Weil die Universiade-Bewerbung der Stadt seit Wochen - mit der Tendenz zur Absage - in der Schwebe hängt, scheint dieses Thema nicht mal mehr Smalltalk-tauglich. Thomas Beyer, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft, hat seine Delegation bereits massiv abgespeckt. Weit weniger Leute fliegen jetzt für viel kürzere Zeit nach Peking. Auch Frank Horch, Präses der Handelskammer und erster Vorkämpfer in der Stadt für die Universiade 2015, bleibt daheim. Vertreter der Wirtschaft, an der Spitze Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann, Vizepräses der Handelskammer, reisen trotzdem nach Peking - jetzt vor allem aus geschäftlichem Interesse.

Bei der Suche nach Alternativen zum Universiadeabend fiel dem Sportamt, der Behörde für Kultur, Sport und Medien und der Hamburg Marketing GmbH bislang wenig ein. Der Vorschlag, das Team Hamburg Beijing, die Olympiateilnehmer der Stadt, im "Deutschen Haus" vorzuzeigen, musste mangels Masse verworfen werden. Am dritten Wettkampftag der Olympischen Spiele, stellte sich schnell heraus, sind keinem Athleten ungezwungene Gespräche zuzumuten. Was bleibt: Andere sportpolitische Ambitionen Hamburgs könnten in Peking beworben werden, die Ausrichtung einer Schwimm-WM, einer Hockey-EM oder eines Weltserienturniers im Beachvolleyball. Einladungen an die Verbandsfunktionäre sind in Vorbereitung. Sportstaatsrat Manfred Jäger, während Olympia Hamburgs ranghöchster Vertreter in China, hat die Hoffnung nicht aufgegeben, in Peking doch noch Reklame für die Universiade machen zu können. "Wir werden die intensiven Gespräche, die der Bürgermeister dazu mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bildungsministerin Annette Schavan geführt hat, mit den Universiade-Gesellschaftern auswerten, wie wir weiter vorgehen wollen", sagte Jäger dem Abendblatt. Am Mittwoch soll es eine Entscheidung geben - auch über den Abend im "Deutschen Haus".