Panini: Der Tauschhandel auf dem Pausenhof eskaliert immer öfter

Schulen verbieten Fußballbilder

Kinder und Jugendliche reißen sie sich gegenseitig weg: Bildchen mit Fußballstars. Kurz vor der EM sind sie hoch im Kurs.

Sie sind nur ein wenig größer als eine Streichholzschachtel. Doch bei Tausenden Hamburger Kindern und Jugendlichen stehen die kleinen Klebebilder ganz hoch im Kurs: Panini-Sammelbilder zeigen die Fußballstars aller Nationen, die bei der Europameisterschaft 2008 antreten werden. Mit dem steigenden Tauschfieber 54 Tage vor dem Start der EM wächst jedoch der Ärger mancher Schulleiter. An der Gesamtschule Heidberg sind die Sammelbilder bereits seit Längerem verboten. An der Grundschule Mümmelmannsberg steht das Verbot von Sammelbildchen schon in der Haus- und Pausenordnung. Die Bildungsbehörde heißt solche Maßnahmen grundsätzlich gut: "Wenn es besorgniserregende Streitigkeiten gibt, ist ein Verbot sinnvoll", sagt Sprecherin Annegret Witt-Bartel.

"Am Anfang läuft es toll, doch schnell kommen Neid und Missgunst auf. Dann gibt es Nötigung, Diebstahl und sogar Erpressung unter den Kindern", sagt Gerhard Kolz, seit 22 Jahren Schulleiter an der Gesamtschule Heidberg in Langenhorn. Manchmal sehe er, wie Jungen die Köpfe zusammenstecken und wegliefen, wenn er käme. "Dann steht da ein kleiner Junge und weint, weil die anderen ihm die Bilder geklaut haben." Es sei sogar vorgekommen, dass ältere Kinder jüngeren damit gedroht hätten, sie auf dem Nachhauseweg zu verhauen, wenn sie jetzt einen Sticker nicht herausrückten. "Darum verbiete ich seit einiger Zeit alle Sammelbilder an der Schule", so der 63-Jährige zum Abendblatt.

Offenbar kein Einzelfall: "Die Probleme tauchen immer wieder auf", sagt Bärbel Dörnte, Schulleiterin der Katholischen Schule Altona. "Es kommt zu Streit, weil die Kinder etwas haben wollen, was ihnen nicht gehört. Sie reißen anderen etwas weg oder stehlen, halten die Regeln nicht ein. Dann müssen die Lehrer schlichten." An der Grundschule Trenknerweg in Othmarschen ist das Tauschen von Fußballstickern oder Pokemon-Karten nur an bestimmten Tagen möglich. "An anderen Tagen sind Karten an der Schule verboten", sagt Schulleiter Kay Picker. "Solange das Tauschen für uns überschaubar bleibt, ist es in Ordnung. Wenn es zu mehr Spannungen käme, würden wie die Bildchen verbieten."

Von Verboten hält Christa von Bismarck nichts. Die Psychotherapeutin arbeitet seit mehr als 35 Jahren mit Kindern: "Grundsätzlich ist es wichtig, Konflikte auszutragen", sagt die 61-Jährige. In der Schule sollten Kinder neben Sachinhalten schließlich vor allem soziales Verhalten lernen. "Lehrer sollten die Schüler beim Bewältigen der Konflikte unterstützen." Auch Dorothee Schmidt-Prange ist dafür, dass ihr Sohn Anton und seine Freunde die Bilder untereinander tauschen dürfen. "Es geht natürlich ins Geld, wenn mein Sohn jedes Mal 60 Cent von seinem Taschengeld für fünf Bilder ausgeben muss. Aber gerade das Tauschen ist doch aufregend für die Jungs. Sie freuen sich wie die Schneekönige, wenn sie besondere Karten gegen andere eingewechselt haben." Meist würden die Kinder friedlich miteinander umgehen, sagt auch Kolz. Dennoch bleibe er beim Verbot: "Gewalt darf nicht sein. Jedes einzelne weinende Kind braucht Schutz.