Standort: Vorstandschef der Stage Entertainment enthüllt exklusiv im Abendblatt seine Pläne

"Mister Musical" baut neues Theater im Hafen

Durch die Millionen-Investitionen des Unternehmens wird Hamburg seine Spitzenposition im deutschen Musiktheater-Markt weiter ausbauen.

Hamburg ist Deutschlands Musical-Hauptstadt Nummer eins - und wird diese Position noch weiter ausbauen. Wie Joop van den Ende, Eigentümer und Vorstandsvorsitzender der Stage Entertainment International, dem Abendblatt gestern in einem exklusiven Gespräch sagte, plant das Unternehmen ein viertes Theater in der HafenCity.

Bereits 2010 sollen die drei bestehenden Spielstätten des Musical-Unternehmens durch einen vierten Bau ergänzt werden. Neben dem Theater im Hafen (2030 Plätze), in dem seit Dezember 2001 Disneys "Der König der Löwen" gezeigt wird, dem Theater Neue Flora an der Stresemannstraße (2000 Plätze), in dem im Oktober das Musical "Tarzan" Premiere feiern wird, und dem TUI-Operettenhaus auf der Reeperbahn (1400 Plätze), das im Dezember 2007 das Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York" zur Welturaufführung brachte, plane die Stage Entertainment einen Neubau mit 1700 Plätzen, so van den Ende. "Es soll ein klassisches Musical-Theater mit großer Bühne werden."

Architekten, darunter auch ein Hamburger Büro, hätten bereits erste Entwürfe für den Bau gezeichnet. "Wir wollen einen echten Hingucker schaffen, ein modernes Gebäude, das es optisch mit der Elbphilharmonie aufnehmen kann", so van den Ende.

Mit zwei Millionen Musical-Besuchern im Jahr ist Hamburg nach der Broadway in New York und dem Londoner Westend der weltweit drittgrößte Musical-Standort. Mit 1000 Mitarbeitern arbeitet hier ein Fünftel des gesamten Stage-Entertainment-Konzerns. "Das ,Original aus Hamburg' ist ein Gütesiegel für jede Musical-Produktion", sagte Henk Kivits, der mit Hartmut Bartels nach dem Weggang von Maik Klokow Anfang des Jahres als Interims-Geschäftsführer für Stage Entertainment Deutschland verantwortlich zeichnet. Man wolle deshalb auch weiterhin neben großen internationalen Musicals auf deutsche Produktionen setzen, wie zuletzt mit "Ich war noch niemals in New York" oder geplanten Stücken wie "Der Schuh des Manitu" (Berlin). "Dabei fürchten wir auch keine Konkurrenz mit Maik Klokow - im Gegenteil!", so van den Ende. "Maik hat eine großartige Arbeit für uns geleistet, wir sind privat weiterhin befreundet, und ich denke, dass Konkurrenz, wie in jedem anderen Bereich auch, das Geschäft belebt." Ein Nachfolger für Klokow als Geschäftsführer Deutschland werde im Moment intensiv gesucht, so van den Ende.

Der 66-jährige Holländer war gestern auf Einladung des Hamburger Senats in der Hansestadt, um die ihm verliehene Senator-Biermann-Ratjen-Medaille im Gästehaus des Senats an der Außenalster in Empfang zu nehmen. "Mit großem Enthusiasmus treiben Sie fantastische Projekte in Hamburg voran", sagte Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) in ihrer Ansprache. "National und international haben Ihre Produktionen eine großartige Ausstrahlung." Bereits 2005 hatte der Senat sich entschieden, van den Ende die Auszeichnung, die an Personen oder Institutionen verliehen wird, die sich "durch künstlerische oder andere kulturelle Leistungen um Hamburg verdient gemacht haben", zu überreichen. "Dass wir jetzt erst einen Termin dafür finden konnten, macht mir die Komplexität Ihres Lebens bewusst", so Karin von Welck. 2006 hatte sich Joop van den Ende nach einem Herzinfarkt jedoch auch für längere Zeit zurückziehen müssen.

Unter den Gästen der Verleihung war am gestrigen Mittwoch auch Schriftsteller und Komponist Michael Kunze, der zurzeit für die Stage Entertainment an der Musical-Adaption von Michael Endes Meisterwerk "Die unendliche Geschichte" arbeitet. Ein ideales Stück für eine Welturaufführung im neuen Hamburger Theater.