Prozess: Kamiar M. wurde bereits suspendiert

Frau missbraucht? Polizist angeklagt

Vorwurf: sexuelle Nötigung. Der 29-Jährige steht nicht zum ersten Mal im Verdacht, sich an einer Frau vergangen zu haben.

Als der Polizist Kamiar M. am 12. September vergangenen Jahres ins Polizeipräsidium gerufen wurde, wusste er nicht, was ihn eigentlich erwarten würde. Unter einem Vorwand wurde der 29-Jährige ins Dienstzimmer des Leitenden Polizeidirektors Kuno Lehmann geladen. Mitten im Gespräch stürmten plötzlich fünf Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) das Büro, nahmen ihn fest. Der Verdacht: sexuelle Nötigung. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Beamten im Streifendienst erhoben.

Die Fahnder griffen in die Trickkiste, um zu gewährleisten, dass Kamiar M. ihnen nicht entwischte. Das MEK wurde gerufen, da er seine Dienstwaffe bei sich führte. Die mutmaßliche Tat soll er einen Tag zuvor begangen haben.

Ihm wird sexuelle Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage habe er eine Bekannte in seine Rissener Wohnung zu einem Gespräch eingeladen. Anschließend soll er die 29-Jährige sexuell belästigt und ihr "durch festes Zugreifen" an Beinen und Armen Hämatome zugeführt haben. Kamiar M., der bis dahin im Streifendienst in Barmbek eingesetzt war, wurde suspendiert und verbrachte eine Nacht im Untersuchungsgefängnis.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Polizist in den Verdacht gerät, sich an einer Frau vergangen zu haben. Im November 2005 musste er sich wegen des Verdachts der Vergewaltigung vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll er eine 34 Jahre alte Frau im April an den Haaren in seine Wohnung gezerrt, gewürgt, mit dem Tode bedroht und anschließend vergewaltigt haben. M. hatte die Frau zuvor auf dem Stadtteilfest "750 Jahre Rissen" kennengelernt. Nach der Anzeige landete der Beschuldigte neun Tage in Untersuchungshaft.

Während des Verfahrens tauchte plötzlich ein Brief von M.s Ex-Freundin auf, in dem sie ihm schrieb, dass sie ihn und das angebliche Opfer "turtelnd" in sein Haus gehen gesehen habe. "Kannst Du Dir vorstellen, wie weh das tat", hieß es in dem Brief." Gleiches sagte die Frau auch im Prozess aus. Weitere Zeugen berichteten ebenfalls, dass der Polizist und die 34-Jährige Zärtlichkeiten ausgetauscht hätten. Sie selbst bestritt dies.

Die Vorsitzende Richterin hatte Zweifel an den Aussagen des angeblichen Opfers und sprach Kamiar M. im Februar 2006 frei. "Die Angaben der Zeugin sind wenig nachvollziehbar. Sie konnte vieles nicht plausibel erklären", so die Richterin. Auch das Motiv für die Anschuldigungen war für die Richterin klar: "Die Kammer hält es für möglich, dass sie befürchtete, ihr Freund könnte davon erfahren und die Beziehung beenden (...) dadurch hatte sie dann ein Rad in Gang gesetzt, aus dem sie nicht mehr rauskam."

Nach dem Freispruch ballte Kamiar M. die Fäuste und verließ strahlend den Gerichtssaal. "Ich kann das alles noch gar nicht fassen. Ich bin überglücklich und unglaublich erleichtert. Der Staatsanwalt wollte mich vier Jahre hinter Gitter bringen." Anschließend gab er sich großherzig, sagte, dass er keine Rachegefühle hege: "Die muss selbst mit ihrem Gewissen klarkommen. Ich bin dankbar, dass das Gericht so deutliche Worte gefunden hat."

Das wird das Gericht in seinem neuen Verfahren wohl auch finden. Der Prozess startet Ende Mai.