TV-STREITGESPRÄCH: DER SCHLAGABTAUSCH VOR LAUFENDEN KAMERAS EINE WOCHE VOR DER WAHL

Hart, aber fair: Duell der Spitzenkandidaten

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Während Beust die soliden Finanzen hervorhob, setzte Naumann auf das Thema Soziale Gerechtigkeit.

Es war ein weitgehend höflicher, aber auch deutlicher Schlagabtausch, den sich beide Kandidaten gestern lieferten. 20.15 Uhr, zur besten Sendezeit, traten eine Woche vor den Bürgerschaftswahlen Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Herausforderer Michael Naumann (SPD) zum mit Spannung erwarteten Rededuell im NDRFernsehen an. Schon bald ließ SPD-Spitzenkandidat Naumann erkennen, mit welchen Waffen er das Duell führen wollte: Soziale Gerechtigkeit und Bildung das sollten seine Themen werden, um Punktsiege zu erringen. Von Beust nahm die Herausforderung an und konterte mit Wirtschaftswachstum, "solider Haushaltspolitik" und gelegentlichen Hinweisen auf Versäumnisse der Vorgängersenate unter Rot-Grün.

Mit dem aktuellen Steuerskandal um Ex-Postchef Zumwinkel bekam Naumann von NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz gleich zu Beginn eine Vorlage für seine Themen: Der Fall sei symptomatisch für den Moralverfall, meinte Naumann. Doch auch von Beust zeigt sich verärgert über solche "Raffkes": "Es gibt eben Leute, die den Kanal nicht voll kriegen", so von Beust.

Deutlicher wurde der Unterschied beider Kandidaten beim Thema Bildung: Beust betonte, dass die CDU die Zahl der Schüler in vielen Klassen verringert und eine Sprachförderung von Einwandererkindern vor der Schule eingeführt habe. Frühförderung sei wichtig, deshalb wolle er den Kita- Rechtsanspruch erweitern auch Zweijährige sollen profitieren. Zudem sprach von Beust sich für ein Schulsystem mit Gymnasien aus: "Es muss Chancengleichheit, aber keine Gleichmacherei geben." Die SPD wolle indes mittelfristig die Gymnasien abschaffen, warf er Naumann vor und verwies auf Parteitagsbeschlüsse der Sozialdemokraten. Naumann konterte direkt: "Mit mir wird es keine Abschaffung von Gymnasien gegen den Elternwillen geben." Zudem sei die Schülerzahl nur in den ersten Grundschulklassen verringert worden, ansonsten habe Hamburg bundesweit mit die höchsten Klassenstärken, und tatsächlich seien 800 Lehrerstellen gestrichen worden, so Naumann.

Hart gingen beide auch in der Frage um die Haushaltspolitik zur Sache: Der Bürgermeister warf Naumann vor, Wahlversprechen zu machen, die rund 5,3 Milliarden Euro kosten würden ohne dazu konkrete Finanzierungsvorschläge machen zu können. Im Übrigen habe sein Senat es geschafft, dass in Hamburg 2007 zum ersten Mal keine neuen Schulden aufgenommen worden seien. Von Beust: "Das ist etwas, das die Sozialdemokraten niemals in Hamburg hinbekommen haben." Naumann wehrte sich prompt: Von Beust würde in seinen Fünf-Milliarden-Vorwurf auch Dinge wie die 1,5 Milliarden für die Hafenquerspange hineinrechnen. "Dabei wollen das doch SPD und CDU." Auch beim Thema Innere Sicherheit prallten gegenseitige Positionen aufeinander: Naumann kritisierte eine falsche Justizstatistik des Senats von Beust verwies auf eine "katastrophale Situation" unter Rot-Grün vor 7 Jahren.

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