Blaue Uniformen: Jetzt gehts von vorne los

Designer Colani will alles anders machen. Kosten? "Interessieren mich nicht."

Sie sollen die "schärfsten Uniformen des Kontinents werden, brachial und Respekt einflößend." Mit diesen Worten präsentierte sich gestern Designer Luigi Colani (74) in Hamburg als neuer Mann für die Entwicklung der neuen blauen Polizeiuniformen. "Colani wird mit dem Design von vorne anfangen", sagte Innensenator Ronald Schill (43). Damit gehört der erst vor sechs Wochen durch den Senator selbst vorgestellte Prototyp der Eilbeker Bekleidungsfirma Premiere Design Mode (PDM) der Vergangenheit an. Und wandert in den Papierkorb. "PDM hat Forderungen gestellt, die nicht abgesprochen waren", sagte Schill und begründete damit die Kehrtwende im so genannten "Verfahren Blaue Uniform." "Die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Unternehmen ist damit für uns beendet", so Schill. Es soll entgegen der Absprache Urheberrechte in Höhe von 60 000 Euro gefordert haben. Bernd Lobusch (52), Geschäftsführer von PDM, streitet das ab: "Wir haben sie nicht gefordert, sondern sind Mitte Oktober dazu aufgefordert worden, eine Summe zu nennen." Die Innenbehörde will PDM eine Aufwandsentschädigung von 23 800 Euro zukommen lassen. "Das Honorar wird aus Sponsorengeld beglichen", sagte Schills persönlicher Referent Thomas Model, "damit stehen wir mit den Polizeiuniformen wieder bei null." PDM-Chef Lobusch will sich damit nicht zufreiden geben. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." Apropos "bei null": Luigi Colani kündigte an, in den nächsten Tagen mit den Entwürfen zu starten. Bis Dezember werde er Farbzeichnungen zeigen. "Es soll keine Uniform für Generäle werden, sondern funktionale Kleidung für den normalen Schutzmann", sagte Colani. Dazu wolle er eng mit der Hamburger Polizei zusammenarbeiten - auch, wenn die Skizzen in seinem Schweizer Atelier in Bern entstünden. "Ganz Deutschland wird Hamburg um die Uniformen beneiden", glaubt Colani. Die noch aktuelle grüne Uniform sei wegen ihrer "Fäkalienfarben" despektierlich. Auf Kostenvorgaben, die bisher bei rund 500 Euro pro Uniformsatz lagen, wolle er aber keine Rücksicht nehmen. "Derartige Richtlinien interessieren mich nicht", sagte der Designer. Im Vordergrund stehe der Entwurf. Um dessen Herstellung wird sich die Hamburger Modefirma Tom Tailor zukünftig kümmern. "Wir werden Colanis Ideen so umsetzen, dass sie auch bezahlbar sind", sagte Vorstandschef Uwe Schröder. Auf ein Honorar werde sein Unternehmen verzichten. So auch Luigi Colani: "Ich möchte Hamburg etwas Gutes tun." "Zeitliche Verzögerungen wird es bei der Einführung der blauen Uniformen nicht geben", versprach Schill. Bis Herbst 2003 sollen rund 3000 der insgesamt 6018 Polizisten der Stadt neu eingekleidet sein. "Mit Tom Tailor und Luigi Colani haben wir Partner gefunden, die Namen und Renommee haben", sagte Schill, "die Suche nach Sponsoren, die die Uniformen finanzieren werden, wird schnell und einfacher verlaufen." Verärgert über so viel Engagement zeigte sich gestern die Opposition. Michael Neumann (32, SPD) warf Schill vor, wichtige Themen wie Sicherheit und Bürgerrechte wegen der Uniformen zu vernachlässigen.