Giftalgen: Das Wasser im künstlich angelegten Gewässer ist gesundheitsgefährdend

Darf im Eichbaumsee nie mehr gebadet werden?

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Axel Gerdau

Alle technischen Lösungen sind bislang gescheitert. Ende des Monats gibt es ein Krisentreffen. Möglicherweise wird der See aufgegeben.

Hamburgs beliebtester Badesee, der Eichbaumsee in Bergedorf, bleibt gesperrt. Vielleicht für immer. Blaualgen vergiften das Wasser, hohe pH-Werte und geringe Sichttiefe verstoßen gegen die Hamburger Badegewässer-Verordnung. Nur zwei Wochen lang war der See (bis zu 30 000 Besucher pro Wochenende) in diesem Sommer zum Schwimmen freigegeben, seit Jahren gibt es dort Probleme. Ende August treffen sich Experten der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und des Bezirks zu einem Krisengespräch. BSU-Sprecher Volker Dumann: "Es geht um die Frage, ob der Eichbaumsee noch zu retten ist."

Das Hauptproblem des Eichbaumsees: Blaualgen vermehren sich hier sehr schnell. Die eiszeitlichen Sedimente auf dem Grund sind stark phosphathaltig, Phosphate eine Hauptnahrungsquelle der Mikroorganismen. Wenn die Blaualgen sterben, werden sie von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess setzt weiteres Phosphat frei - zusätzliches Nahrungsangebot für weitere Algen. Durch die hohe Algendichte beträgt die Sichttiefe im See weniger als einen Meter. Außerdem steigt der pH-Wert über die erlaubte Grenze. "Das Badewasser wird zur Lauge, greift den Säureschutzmantel der Haut an", sagt Helmut Hoffmann, Leiter der Umweltschutzabteilung im Bezirksamt Bergedorf. Mögliche Konsequenzen im Zusammenspiel mit Algengiften: Haut- und Magenreizungen bei Badenden.

860 000 Euro hat die BSU bisher in die Sanierung des Sees gesteckt, der 1972 beim Bau der A 25 aus einem Arm der Dove Elbe entstand. 1990 wurde eine Zirkulationsmaschine auf dem Seegrund installiert. Das Ziel: das Wasser zu durchmischen, mit Sauerstoff anzureichern und so Phosphate zu binden. Wissenschaftliche Untersuchungen des Sees ordnete die BSU in den Jahren 1993, 1997 und 2000 an. Um weiter gegen die Blaualgen-Plage vorzugehen, wurde 2003 auf der Seeoberfläche Aluminiumsalz verstreut, das ebenfalls die Phosphate im See binden sollte. Eine erste Tiefenwasserbelüftungsanlage ("Polyp") wurde 2005 installiert, eine zweite kam 2007 hinzu. Doch bisher blieb alles erfolglos.

Der Ausgang der Krisengespräche, an denen auch Mitarbeiter des Instituts für Hygiene und Umwelt teilnehmen sollen, sei offen, sagt BSU-Sprecher Dumann. Eine dauerhafte Sperrung sei ebenso denkbar wie weitere Sanierungsmaßnahmen: "Wir wollen eine Grundsatzentscheidung treffen. Aber eins steht fest: Eine kurzfristige Lösung wird es nicht geben." Eine weitere Möglichkeit: Der Eichbaumsee wird ausgepumpt, neuer Sand am Boden aufgeschüttet, an den Ufern entstehen künstliche Badelandschaften. Dumann: "Das ist unwahrscheinlich, die Kosten betragen vier Millionen Euro."

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