Riesenwellen am Elbstrand - neues Opfer meldet sich

Verletzungen durch Riesenwellen am Elbufer - möglicherweise kommen solche Unfälle häufiger vor als offiziell registriert: Nach dem Abendblatt-Bericht zu neuen Sicherheitsempfehlungen für die Hamburger Strände meldete sich gestern die Eppendorferin Karin Hoffmann (64) zu Wort: Am 15. April hatte sie am Elbstrand Hetlinger Schanze in der Nähe von Wedel die Welle eines Schiffs umgerissen - etwa 20 Meter von der Elbe entfernt, wie sie sagt. Unmittelbar darauf rauschte eine zweite Welle heran, presste sie unter Wasser. "Ich hatte Todesangst", berichtet die kaufmännische Angestellte. Als die Wasserflut wieder zurückfloss, konnte sie sich kaum noch bewegen, kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus nach Wedel. Bei dem Unfall hatte sie einen komplizierten Beinbruch erlitten, musste sechs Wochen zur Reha und läuft immer noch an Krücken. "Ich hab mit einer solchen enormen Welle gar nicht gerechnet, erst als die Leute am Strand ,Tsunami, Tsunami' schrien, habe ich sie gesehen - da war's schon zu spät." Bisher ist ihr Fall noch nicht in der Statistik der Bundesstelle für Seeunfall-Untersuchung eingeflossen, weil er als normaler Unfall gemeldet wurde. Wegen des jüngsten Wellen-Zwischenfalls im Juni am Strand von Wittenbergen hat die Bundesbehörde (wie berichtet) neue Sicherheitsempfehlungen herausgegeben: So sollen Schiffe vor den Hamburger Stränden möglichst langsam und mit möglichst deutlichem Abstand fahren. Zudem empfiehlt die Bundesbehörde Baumaßnahmen an Strand und Uferbauwerken, um die Situation zu entschärfen. Grund: Wenn Wellen eines Frachters auf einen steilen Uferabschnitt prallen, werden sie steiler und können das Doppelte ihrer ursprünglichen Höhe erreichen.

Die Hamburg Port Authority (HPA) reagierte gestern zurückhaltend auf die Empfehlungen: Vor dem Elbstrand Wittenbergen seien parallel zur Elbvertiefung tatsächlich Sandvorspülungen geplant, sagte HPA-Sprecherin Christiane Kuhrt. Weitere Baumaßnahmen an den Hamburger Stränden seien zurzeit jedoch nicht vorgesehen. Kuhrt: "Bei 40 000 Schiffsbewegungen auf der Elbe sind die Vorfälle auch sehr selten. " Zudem würde die HPA mit Schildern am Strand vor der Gefahr warnen. Kuhrt: "Die Elbe ist nun einmal ein Verkehrsweg."