Hamburg und Shanghai: Partner beim Klimaschutz

In Pujiang hat Shanghais Zukunft schon begonnen - und die ist grün und sauber. In einem Vorort der Millionenmetropole ist auf ehemaligem Ackerboden ein ökologisches Musterprojekt entstanden - mit Hamburger Hilfe. "Die Menschen stehen bei uns im Mittelpunkt", sagt Liu Xiaoping, Generalmanager des Pujiang Intelligent Valley. Und er fügt hinzu: "Die Menschen sollen sich bei der Arbeit wohlfühlen." Das sind erstaunliche Sätze in einer Stadt des scheinbar ungezügelten Baubooms, bei dem das menschliche Maß oder gar umweltschonende und energieeffiziente Bauweise bislang kaum eine Rolle spielten. Dass sich das in China ändert, daran wollen Hamburger Ingenieure und Wissenschaftler mithelfen. Das erste energieeffiziente Gebäude in Pujiang ist ein 8500 Quadratmeter großes Bürohaus, das das Hamburger Jointventure Zebau aus Wirtschaft und TU Harburg errichtet hat. Das 70-Millionen-Euro-Investment, das die ökologischen Standards Deutschlands erfüllt, soll für deutsches Know-how auf dem chinesischen Markt werben. "Unsere Heizkosten betragen 7700 Euro pro Jahr - das ist ein Achtel des Üblichen", sagt Liu Xiaoping stolz. Im Rahmen des Projekts "Ecobuild" sollen in Pujiang 750 000 Quadratmeter Land nach ökologischen Gesichtspunkten bebaut und gestaltet werden - an zehn Projekten ist Hamburg beteiligt.

Dass der Manager das Wohlbefinden der Menschen im Auge hat, beweist auch, dass er Bürgermeister Ole von Beust spontan zu einer Tischtennispartie einlädt. Das Match endete unentschieden. Die Kontrahenten hatten sich darauf geeinigt, nicht zu zählen.

Szenenwechsel, Rathaus Shanghai: Auch der Besuch von Beusts bei seinem Amtskollegen Han Zheng steht im Zeichen des Umwelt- und Klimaschutzes. Offensichtlich schwenkt auch die chinesische Politik in Richtung Nachhaltigkeit um. Dem Hamburger Bürgermeister kann das - mit Blick auf die heimische Politik - nur recht sein. "Der Klimaschutz spielt in der Städtepartnerschaft Hamburg - Shanghai eine immer größere Rolle", sagt er und erntet dafür Zustimmung bei den Chinesen. Einer, der es wissen muss, ist der Ostasienexperte Walther Leisler Kiep. Der CDU-Bürgermeister-kandidat von 1982 hatte sich der Hamburg-Delegation für einen Tag angeschlossen. "Die Chinesen meinen es ernster mit dem Umweltschutz als die Amerikaner", sagt Kiep.

Doch es geht bei dem Besuch der Hamburger beim Oberbürgermeister auch um konkrete Projekte. Von Beust spricht die Wünsche direkt an - das wird in China honoriert. Da ist etwa das Teehaus, das Shanghai nach dem historischen Vorbild aus dem Yu Garten auf den ehemaligen Tennisplätzen hinter dem Museum für Völkerkunde errichten will. "Wir werden den Bauantrag nächsten Monat in Hamburg einreichen", sicherte Han Zheng zu. "Dann kann der Grundstein im September gelegt und das Haus im Sommer 2008 eröffnet werden", freute sich Beust. Das Teehaus soll das Zentrum Shanghais für die Vermarktung der Expo 2010 in Europa sein. Hamburg wird wahrscheinlich mit eigenem Pavillon am Huangpo vertreten sein. Verhandlungen laufen. "Wir haben Interesse an einem Areal mit Wasserzugang", sagte von Beust. Es gebe mehrere Modelle für die Hamburg-Präsentation - Klima- und Umweltschutz sollen auch hier im Zentrum stehen. "Uns ist auch wichtig, dass die Gebäude nachhaltig genutzt werden, also nicht nach der Expo abgerissen werden."

Noch keinen Durchbruch gibt es bei den Bemühungen, Hamburgs um eine Direktflug-Verbindung Hamburg-Shanghai. "Wir haben Grund zu Optimismus", sagte von Beust, aber nach einem Gespräch mit Zhou Chi, dem Vorstand von Shanghai Airlines. Nach dem Eindruck der Hamburger Delegation fällt die Entscheidung zwischen Hamburg und Berlin.

Beim Hamburg-Abend im Hotel Royal Meridien trafen sich Hamburger Unternehmer und ihre chinesischen Geschäftspartner. Rund 200 Gäste hörten die Brahms-Interpretationen der Geigerin Wang Xiamen, die die erste Stipendiatin des deutsch-chinesischen Musikstudiengangs ist. Wang Xiamen wird ihren Master-Abschluss an der Hamburger Musikhochschule machen.