Altes Land: Obstbauversuchsanstalt hat Fallen aufgestellt, Uni überwacht Stadtgebiet

Bauern in Angst vor der Kirschfruchtfliege

Die Tiere wurden aus dem Süden eingeschleppt. Durch das warme und trockene Wetter überleben sie auch hier. Viele Stadtbäume waren im letzten Jahr stark befallen.

Die 400 000 Kirschbäume im Alten Land verheißen bisher eine gute Ernte. Doch jetzt macht eine kleine Fliege Obstbauern und Forschern große Sorge: Die Maden der Kirschfruchtfliegen entwickeln sich in den saftig-süßen Früchten und könnten damit eine große Gefahr für den Ertrag werden. Im Hamburger Stadtgebiet hat es im vergangenen Jahr bereits erste Ausfälle gegeben.

"Altländer Kirschen sind madenfreie Kirschen. Das haben wir immer mit Stolz gesagt, und dazu stehen wir auch weiterhin" sagt Dr. Karsten Klopp, Leiter der Obstbauversuchsanstalt (OVA). "Nur: Wir sind vorsichtig." Deshalb nehmen die Mitarbeiter der OVA in Jork die Obstbäume aktuell unter die Lupe. In der vergangenen Woche haben sie an zehn Standorten Fallen in den Kirschbäumen aufgehängt, um zu prüfen, ob die Fliegen in den Obstplantagen des Alten Landes geschlüpft sind.

Die europäische Kirschfruchtfliege ( Rhagoletis cerasi ) war bisher eher im Süden verbreitet. Doch im vergangenen Jahr ist sie auch an verschiedenen Stellen in Hamburg und im Umland aufgetaucht. Klopp: "Die Ursache für ihr Auftreten ist uns noch unbekannt. Vielleicht sind die Tiere mit Früchten eingeschleppt worden. Denn eigentlich können sie in unseren nassen, marschigen Böden nicht überleben." Die erwachsenen, vier Millimeter großen, schwarzen Fliegen mit der charakteristischen gelben Zeichnung legen jeweils ein Ei in die reifenden Früchte der Kirschen. Die entwickelnden Larven fressen das Fruchtfleisch, wodurch es oft auch zum Verfaulen der Früchte kommt. Die Maden verlassen die Frucht, um sich im Boden zu verpuppen. Und genau hier machten ihnen bisher die Bodenverhältnisse und das Klima im Alten Land einen Strich durch die Rechnung. Zu kalt, zu nass.

Durch wärmeres, trockeneres Wetter könnte sich dieses aber ändern. "Im Hamburger Stadtgebiet, wo es deutlich wärmer und trockener ist, hatte ich im vergangenen Jahr einen extremen Anstieg von Anfragen zu Kirschfruchtfliegen", sagt Gregor Hilfert vom Pflanzenschutzamt der Universität Hamburg. Deshalb möchte auch er mithilfe von Fallen die Verbreitung der Tiere feststellen. Wie beim Monitoring der Obstbauversuchsanstalt zwischen Finkenwerder und Cuxhaven verwendet auch Hilfert Farbtafel-Fallen, die mit einer klebrigen, gelben Plastikfläche die weiblichen Tiere anlocken. Hilfert: "Diese legen ihre Eier nämlich beim Umfärben der Kirschen von Grün auf Gelb in die Früchte, reagieren deshalb auf den gelben Farbreiz." Für seine Überwachung bittet er Kirschbaumbesitzer im Hamburger Stadtgebiet, die im vergangenen Jahr einen starken Befall mit den sechs Millimeter langen, weißen Maden hatten, sich bei ihm unter der Hamburger Rufummer 428 16-590 zu melden. "Im letzten Jahr gab es Bäume, an denen bis zu 80 Prozent der Ernte vernichtet wurden", sagt der Experte.

Im Alten Land hofft man darauf, dass die Fliege auch weiterhin ihren Entwicklungszyklus nicht vollenden kann. Klopp: "Doch wir wollen vorbereitet sein und notfalls rechtzeitig Mittel zur Bekämpfung einsetzen."