Trend: Hamburger lernen Chinesisch

Sagt einer zum anderen: "Ninhao ma?" ("Wie geht es Ihnen?") Kommt als Antwort zurück: "Wo hen hao, nin ne?" ("Mir geht es gut - und Ihnen?") Immer häufiger hört man solche fremden Laute wie diese Alltagskonversation aus dem Munde von Hamburgern. Der Trend: Immer mehr Hamburger lernen Mandarin - Hochchinesisch. Das Geschäft der Sprachenschulen und China-Institutionen boomt wie nie zuvor.

"Kaum einer hat sich früher an Chinesisch herangetraut, seit einigen Jahren haben wir Zuwachsraten an Schülern für Chinesisch-Kurse von 40 bis 50 Prozent", sagt Mathias Schulze, Direktor bei der angesehenen Berlitz-Sprachschule für den Bereich Norddeutschland. Zehn Prozent würden aus privatem Interesse Chinesisch lernen, 90 Prozent aus beruflichen Gründen. Die Abspringerquote: bei Privatpersonen unter zehn Prozent, bei Schülern, die es beruflich lernen müssen, bei null. "Ich mag die Sprache", sagt etwa Versicherungsmanager Claus Manzau (51). Er lernt seit zwei Jahren Chinesisch. Warum? "Die Zeichen faszinieren mich eben", sagt er.

Auch der Internationale Sprachenklub Pro Linguis an der Rothenbaumchaussee 97 verzeichnet stark steigendes Interesse. "Früher galt Chinesisch als Exotensprache, längst hat sie sich als Sprache bei Schülern etabliert", so Regine Hallmann, stellvertretende Vorstandsvorsitzende bei Pro Linguis. Seit 60 Jahren gibt's den Klub. Die rund 1000 Mitglieder zahlen einen Monatsbeitrag, können nach Feierabend 15 Sprachen lernen - "bei Chinesischkursen waren früher vier, fünf Mitglieder, heute sind es zehn und mehr", so Hallmann. Am 14. Mai gibt es beim Tag der offenen Tür auch Chinesisch-Schnupperkurse.

China spiele auch in der Bildungsmetropole Hamburg eine immer wichtigere Rolle, sagt Schulsenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU). Chinesisch bieten in Hamburg fünf Gymnasien an, zwei Gesamtschulen und eine Grundschule (als Arbeitsgemeinschaft). Insgesamt werden dort rund 100 bis 120 Schüler pro Jahr in Mandarin unterrichtet. Dies sei wichtig, damit junge Hamburger mit der Sprache und Kultur vertraut werden, "um hier oder in der Welt mit ihr zu arbeiten", so Dinges-Dierig. Rund 4000 Chinesen zählte das Statistische Landesamt in Hamburg im vergangenen Jahr, doch Vertreter der Gemeinde schätzen die Zahl weit höher. Es gibt rund 400 chinesische Firmen an der Elbe - so viel wie nirgends in Europa. Und: 700 Hamburger Unternehmen, die mit Chinesen handeln. "Viele Hamburger haben ihre Liebe zu dem asiatischen Land entdeckt, zu China und zu dessen Kultur, deswegen wollen sie auch Mandarin lernen", sagt Hans-Bernd Giesler, Rechtsanwalt und Präsident der Chinesisch-Deutschen Gesellschaft Hamburg (insgesamt 350 Mitglieder). "Chinesisch ist die Sprache der Zukunft."

Eines haben die Schüler gewiss nie: Langeweile. Es gibt mehr als 50 000 chinesische Zeichen. Mindestens 2000 Zeichen sollte man können, wenn man zu 80 Prozent eine chinesische Zeitung verstehen will, 600 Zeichen reichen für Small Talk - wenn man den richtigen Ton trifft. Jede Silbe kann vier unterschiedliche Bedeutungen haben: "Wen" kann zum Beispiel "fragen" oder "küssen" heißen, je nachdem, wie man es intoniert. Und dann sind da noch die Redewendungen: Antwortet jemand auf die Frage, wie es ihm gehe, etwa: "Mama, huhu", heißt das wörtlich: "Pferd, Pferd, Tiger, Tiger". Aber tatsächlich ist damit gemeint: "So lala, es geht so." Der Weg ist das Ziel - beim Chinesischlernen allemal.