Kreuzfahrtschiff: Dekoration, Catering, Design und die Künstler an Bord kommen aus der Hansestadt

So viel Hamburg steckt in der "Aidadiva"

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Geneviève Wood

Dreieinhalb Jahre hat die Planung und Fertigstellung des 315 Millionen Euro teuren Luxusliners gedauert. Am 20. April wird er getauft.

Wenn das neue Kreuzfahrtschiff "Aidadiva" zur großen Tauffeier am 20. April in Hamburg einläuft, ist es für den Luxusliner ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Denn obwohl das 252 Meter lange und 32,2 Meter breite Schiff auf der Papenburger Meyer Werft gebaut wurde (wir berichteten), steckt ganz viel Hamburg in der "Aidadiva": Die Künstler an Bord, die Blumendekoration, das Catering und das Design stammen aus der Hansestadt. Und die Taufpatin wird ebenfalls eine Hamburgerin sein. Denn Aida Cruises und das Abendblatt suchen eine Patin für die "Aidadiva".

Ohne "Partner Ship Design" aus Rotherbaum würde es die Aida-Flotte nicht geben. Jedenfalls nicht in dem Design. Architekt Kai Bunge (49), Innenarchitekt Siegfried Schindler (57) und ihr Team haben sämtliche Aida-Schiffe entworfen: das Außendesign, alle öffentlichen Bereiche, die Kabinen. Vom ersten Konzept bis zur endgültigen Abnahme in den kommenden Wochen hat es dreieinhalb Jahre gedauert, bis aus dem Projekt mit dem Übergangsnamen "Sphinx" die 315 Millionen Euro teure Diva geworden ist. Für Kai Bunge und Siegfried Schindler ist das Schiff wie ein Kind: "Wenn man ein Kind zeugt und betreut und es dann in die weite Welt geht, tut das weh", sagt Schindler. "Aber man ist auch sehr stolz", ergänzt Bunge. "Schließlich haben wir etwas kreiert, was Tausenden von Menschen Freude machen wird." Vor allem vom neuen Theatrium sind die Schiffsdesigner begeistert: Das sei etwas völlig Neues und Einmaliges im Kreuzfahrt-Bereich. "Es ist das pulsierende Herz des Schiffes", so Kai Bunge.

Und hier im Theatrium wird Carola Thierheimer (31) aus Eimsbüttel auftreten. Seit drei Jahren arbeitet sie als Sängerin auf den Aida-Schiffen. Bevor es aber ab dem 23. März wieder auf große Fahrt geht, muss sie zur Schule. Die heißt "SeeLive" und hat ihre Räume in der Seilerstraße auf St. Pauli. Carola und die übrigen Sänger, Schauspieler und Tänzer proben hier für die Shows auf den Schiffen. Norbert Aust (63), als geschäftsführender Gesellschafter vom "Schmidt" und "Schmidts Tivoli" bekannt, sorgt mit seiner Firma "SeeLive Tivoli" auch außerhalb Hamburgs für Unterhaltung. In der historischen Volksschule auf St. Pauli entwickeln, koordinieren und realisieren Aust und seine rund 50 Mitarbeiter seit fünf Jahren das Unterhaltungsprogramm für die Schiffe der Aida-Flotte. SeeLive produziert die Shows, sucht das Ensemble aus, auf St. Pauli werden die Kostüme geschneidert und das Bordmagazin produziert. SeeLive ist zuständig für die Kinderbetreuung, die Bands, die Poolanimation und das "Info- und Edutainment". "Die Schiffe sind gleich. Die Unterhaltung an Bord macht den Unterschied", sagt Aust. Und dieser Unterschied ist harte Arbeit: Sechs Tage die Woche proben Carola Thierheimer, Sänger- und Tänzerkollege Henryk Reimann (36) aus Altona und viele andere, bis es für drei Monate auf See geht. Insgesamt verbringen die Künstler jeweils ein halbes Jahr an Bord und ein halbes Jahr zu Hause.

Aus Hamburg kommt auch "Dauerflora". Das Unternehmen um Barbara Bressem, Elke Winkler und Dirk Ebeling aus Moorfleet dekoriert Luxusliner mit Palmen, Hecken und Gestecken. Seit Ende Februar verziert Barbara Bressem (39) mit etwa 20 Mitarbeitern die "Aidadiva". 182 Palmen, 160 Quadratmeter Hecke, 23 Zypressen und mehr als 6000 Palmwedel schmücken später das Schiff. "Zu Ostern wollen wir fertig sein", sagt Bressem. Die vielen Palmen seien typisch für Aida-Schiffe. Die Blumendekorationen sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein innenarchitektonisches Element: "Die Hecken verdecken etwa eine Servicestation, mit den Palmenstämmen verkleiden wir schiffsbauliche Stützen", so Bressem. Die Arbeit an Bord sei etwas Besonderes: "Das ist eine andere Arbeit als im Hotel. Wir müssen auch an Stürme denken und die Pflanzen verankern." Die Kosten für die Ausstattung eines Kreuzfahrtschiffes mit Pflanzen liegen zwischen 100 000 und 500 000 Euro. Die Blumen für die Gestecke werden in eine Stabilisierungsflüssigkeit gelegt und haltbar gemacht. Barbara Bressem: "Etwa alle zwei Jahre müssen wir die Kreuzfahrer überarbeiten."

Für die Versorgung der Menschen an Bord ist der Schiffsausrüster "Baste und Lange" zuständig. Das Unternehmen aus Finkenwerder bestückt alle Aida-Schiffe mit Waren. Betriebsleiter Stefan Winter (40): "Wir liefern alles. Lebensmittel, Toilettenpapier, technische Geräte, Radaranlagen. Eben alles." Gerade hat Baste und Lange 32 Paletten mit Hotellerie-Waren, also Servietten und Tischdecken, zur "Aidadiva" geschickt. Demnächst folgen sieben Laster à 20 Tonnen mit Lebensmitteln. "Für eine 14-tägige Reise werden zehn bis zwölf Lasterladungen an Lebensmitteln verbraucht", sagt Winter. Obst und Gemüse werden im Sieben-Tage-Rhythmus im Umfang von 30 Tonnen an Zielhäfen bereitgestellt. Winter: "Wir organisieren das weltweit." Jede Ware läuft aber über Hamburg.

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