Vorstoß: Bezirkschef Markus Schreiber kämpft gegen knallige Leuchtreklame

Darf es an der Alster nicht bunt leuchten?

Firmenlogos und Bürobeleuchtung verstoßen gegen Binnenalster-Verordnung von 1936. Aber: Das blau strahlende Nivea-Mosaik am Jungfernstieg darf bleiben.

Hamburgs City gleicht einem Lichtermeer - und genau deshalb gibt es jetzt Streit. Geschäftsleute an der Binnenalster setzen zunehmend farbige Leuchtreklame ein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist ihnen auch gelungen. Allerdings anders als gedacht. Das Bezirksamt Mitte will dem bunten Treiben unbedingt ein Ende setzen. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) hat die Einhaltung der "Binnenalster-Verordnung" jetzt zur Chefsache gemacht.

Die Verordnung regelt per Gesetz für alle Straßenzüge im nahen Umkreis nicht nur sämtliche baulichen Anforderungen, sondern auch den Einsatz von Licht. Im Paragraf 3, Absatz 1, heißt es: "Werbemittel und Lichtzeichen müssen sich auf das Erdgeschoss, das erste Obergeschoss und das zweite Obergeschoss beschränken", das heißt auf eine Höhe von zehn bis zwölf Meter über der Straße. Im Absatz zwei wird außerdem geregelt, dass Licht weiß sein muss.

So sind die Firmennamen der Europa-Passagen-Mieter bewusst zurückhaltend und einheitlich an der Fassade angebracht. Allerdings wird die Optik durch den hell erleuchteten blaugrünen und unübersehbaren Firmenschriftzug der Thalia-Buchhandlung gestört. Der, so Geschäftsführerin Susanne Gruß, sei aber innen, hinter der Fensterscheibe der ersten Etage angebracht. "Nützt nichts", sagt Schreiber, "die Verordung gibt uns auch in diesem Fall recht". Gruß zeigt sich jetzt einsichtig und hat neue Firmenschilder in Auftrag gegeben - in Weiß. Schreiber: "Ich freue mich über das Verständnis von Frau Gruß."

Auch Hennes & Mauritz wird vom Bauprüfamt des Bezirksamt Post bekommen, denn das "H&M-Man"-Logo prangt im Erdgeschoss in knalligem Rot. Und das, obwohl der gleiche Schriftzug darüber an der Fassade auf das Textilgeschäft für Herren hinweist.

Zwei Häuser weiter, am Ballindamm 37, strahlen abends drei leer stehende Etagen in Blau. Offensichtlich will der Eigentümer, die Procom Invest, so auf ihre leer stehenden Büroflächen aufmerksam machen. Das sei wirklich der Gipfel und ginge gar nicht, so Schreiber. Procom-Geschäftsführer Dennis Barth: "Ich finde das eigentlich ganz schick. Die Binnenalster-Verordnung sagt mir zwar etwas, von der Lichtvorschrift habe ich aber noch nichts gehört."

Auch die "Bar Ciu'" am Ballindamm passt mit ihrem kräftig strahlenden Rot nach Ansicht Schreibers nicht ins Bild der Binnenalster. Geschäftsführer Töns Haltermann: "Unsere Bar ist seit über acht Jahren am Ballindamm und in unsere Hausfarbe Rot gestaltet. Die roten Außenstrahler stehen da auch schon seit etwa fünf Jahren. Wenn es uns aber untersagt werden sollte, werden wir das natürlich ändern." Ebenso reagiert auch H&M-Sprecher Mathias Geduhn: "Wir bauen unser Logo wieder ab, wenn es sein muss. Das Centermanagement der Europa-Passage hatte es uns allerdings erlaubt." Dort scheint man von der Verordnung auch noch nichts gehört zu haben, denn in den oberen Etagen leuchten ebenfalls blaue Lichter in leer stehenden Büroräumen.

Ein weiteres Ärgernis für Bezirkchef Schreiber ist das überdimensionale blauweiße Nivea-Logo am Jungfernstieg. Schreiber: "Ich finde es scheußlich, aber es hat wohl den Segen des Bürgermeisters, der bei der Eröffnung ja persönlich anwesend war. Der Firmenschriftzug ist weiß, und das Blaue drum herum soll wohl ein Gestaltungselement, eben ein Kunstwerk sein. Es ist auch keine runde blaue Scheibe, sondern eine Art Mosaik. Oberbaudirektor Jörn Walter hat in der Planungsphase daran selbst herumgemalt, um zu retten, was zu retten war." Das bestätigt Walter. Das Mosaik sei schließlich nicht selbst leuchtend. Das, so Schreiber, dürfe aber nicht dazu führen, dass die Verordnung weiter untergraben werde. Der Bezirkschef hofft auf Einsicht aller Anlieger: "Ansonsten verfügen wir, dass alles weg muss, was da nicht hingehört. Wir gehen systematisch vor. Einige halten das Gesetz für ein bürokratisches Monstrum. Es dient aber der Wahrung der Schönheit Hamburgs."