Rätsel: Sabine L. war mit ihrem Mann auf der "Queen Elizabeth 2" - Silvester verschwand sie plötzlich

Drama auf See: Vermisste ist eine Hamburgerin

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Jan-Eric Lindner

Suchaktionen der Küstenwache und an Bord blieben ergebnislos. Ist sie über die Reling gestürzt? Oder war es ein Verbrechen?

Die Reise, mit der sie sich einen Traum erfüllen wollten - sie endete für ein Hamburger Ehepaar in einem Drama. Und niemand weiß, was am Silvestermorgen geschah: Sabine L. (62) und ihr Ehemann Ludwig (74) wollten die Feiertage mit einer Luxus-Kreuzfahrt genießen. An Bord der "Queen Elizabeth 2" reisten sie mit Verwandten zehn Tage durch den Atlantik. Am 31. Dezember verschwand Sabine L., seitdem fehlt von der Wellingsbüttelerin jede Spur. Ehemann und Kinder der sportlichen, sehr aktiven Frau gehen von einem schrecklichen Unfall aus - wollen aber auch ein Verbrechen nicht ausschließen.

"Wir sind vollkommen ratlos", sagt Moritz L., der Sohn der Vermissten. Auch die Polizei weiß noch nicht, was auf dem offenen Meer auf der Überfahrt von Madeira nach Southampton geschah. Polizei und Seenotretter haben die Suche eingestellt. Auch Decks, Kabinen und Crew-Räume des Edel-Kreuzfahrtschiffes wurden mehrfach durchsucht. Doch was auch immer Familie, Crew, Polizei und Retter unternahmen - es brachte nicht den leisesten Hinweis auf die Hintergründe des Verschwindens der 62-Jährigen.

Für den Silvesterabend war eine große Gala an Bord der "QE2" geplant. Trotzdem stand Sabine L. am Morgen früh auf - so wie immer. Sie ging zum Pool, während ihr Mann noch in der Kabine schlief. Die ",QE2' befand sich 160 Seemeilen westlich des portugiesischen Figueira da Foz. Sie wollte schwimmen. Und dann? Niemand weiß es. Ludwig L.: "Als ich aufwachte, dachte ich, sie sei noch schwimmen. Später habe ich sie dann selbst gesucht. Dann informierte ich die Crew." Die Besatzung suchte das mit 1700 Passagieren besetzte Schiff ab. Der Kapitän steuerte die "QE2" zurück - in der Hoffnung, die Vermisste im offenen Wasser zu entdecken. Portugiesische Seenotretter wurden in das fragliche Gebiet entsandt. Doch nichts. Sabine L. war mit ihrem Badeanzug bekleidet. Einen Selbstmord schließt die Familie aus: "Sie war ausgeglichen, fröhlich, gesund und fit. Es gab keine Feinde, keine echten Probleme. Beim Aufenthalt auf Madeira hatte sie noch Kleider für die Enkel gekauft." Sohn Moritz: "Die einzige Vermutung, die wir haben, ist, dass sie vielleicht über die Reling gefallen ist. Vielleicht hatte sie im Wasser etwas entdeckt, sich zu weit hinübergebeugt." Doch auch ein Verbrechen mag Moritz L. nicht ausschließen: "Knapp 2000 Passagiere, 1000 Besatzungsmitglieder. Wer weiß, ob sich da nicht auch jemand an Bord befindet, der verrückt genug ist, ihm unbekannte Personen in den Tod zu stoßen?" Andererseits sei seine Mutter auch mit 62 stark und fit gewesen, hätte sich wehren können: Sie war Surferin, schwamm regelmäßig und war aktive Reiterin.

Am 2. Januar lief die "QE2" im Hafen von Southampton ein. Die britische Polizei übernahm die Ermittlungen, durchsuchte erneut das Schiff. Ludwig L., ehemals Geschäftsführer einer Recyclingfirma, fuhr gemeinsam mit den Verwandten nach Hause. Die Hoffnung auf ein Wunder hat er so gut wie aufgegeben: "Jeder Winkel des Schiffes ist durchsucht, wir waren weit ab von der Küste." Was bleibt, sind Trauer und Ungewissheit. Moritz L. fürchtet, dass sich das Rätsel um den vermuteten Tod seiner Mutter nie aufklären wird: "Es fehlt jeder Ansatz. Sie ist einfach verschwunden."

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