Letzter Wille: Ehemaliger Funker wird morgen vor Amrum bestattet

"Ich will zurück zu meinem U-Boot"

Walter Schwerdtfeger wird dort die letzte Ruhe finden, wo er und seine Kameraden nach Kriegsende U 979 versenkten.

Aus der Tiefe kam er, in die Tiefe kehrt er zurück - vor der Südspitze der Nordseeinsel Amrum, in Sichtweite des 63 Meter hohen Leuchtturms Wittdün, wird morgen der ehemalige deutsche U-Boot-Funker Walter Schwerdtfeger auf See bestattet. Wie es sein fester Wille war, wird der Mann vom Jahrgang 1925, der sich als 17-Jähriger im Jahr 1942 freiwillig zu den "Grauen Wölfen" gemeldet hatte, seine letzte Ruhestätte an der Stelle finden, an der er und seine Kameraden ihr U 979 am 24. Mai 1945, also 16 Tage nach Kriegsende, selbst versenkt hatten.

Walter Schwerdtfeger aus Nienburg/Saale war einer der wenigen Überlebenden der "Schlacht im Atlantik", die Englands Premier Winston Churchill als "kriegsentscheidend" bezeichnet hatte. 28 728 von 41 300 Soldaten der deutschen U-Boot-Waffe waren im Zweiten Weltkrieg in ihren "Eisernen Särgen" umgekommen, 639 von 1177 gebauten U-Booten im Gefecht gesunken, 242 U-Boote nach Kriegsende selbst versenkt worden, teilweise entgegen allen Befehlen der alliierten Sieger oder deutscher Befehlshaber.

Schwerdtfeger hatte sein U-Boot, das er als "mein Heim für zwei Jahre und vier Tage" ansah, nie vergessen können. Die Baunummer 655 der Werft Blohm + Voss, ein VII C/41-Typ mit verstärktem Druckkörper, der eine Rekordtiefe von 250 und mehr Metern zuließ, war am 20. Mai 1943 in Dienst gestellt worden und hatte 1944 und 1945, als die statistische Überlebensfrist eines U-Boot-Fahrers weniger als eineinhalb Feindfahrten betrug, im Nordatlantik in drei wochenlangen Einsätzen gegen eine Übermacht buchstäblich ums Überleben gekämpft. Selbst die Kollision mit einer britischen Korvette hatte U 979 überstanden - mit verbogenem Bug, abgerissenem Zwillingsgeschütz und geknicktem Sehrohr.

Bis es im Nordatlantik um Kopf und Kragen ging, war der junge Schwerdtfeger in Kiel, Flensburg-Mürwik, List auf Sylt, Gotenhafen/Gdingen, Hela und Pillau ausgebildet worden, die Feindfahrten unter dem aus Sande bei Paderborn stammenden Kommandanten Johannes Meermeier wurden dagegen vor allem vom norwegischen Trondheim aus gefahren. Am Tag der deutschen Kapitulation operierte U 979 noch vor Reykjavik/Island. Auf welchen geheimen Kursen es die Rückfahrt bis Amrum schaffte, ohne von den Briten aufgebracht zu werden, ist nicht bekannt. Nach einer Grundberührung wurde das U-Boot am 24. Mai 1945, ein Uhr nachts, von seiner Besatzung gesprengt. Vor der Gefangennahme hatte Funker Schwerdtfeger das aufgerissene Wrack noch fotografiert. Gekentert, unter Sand begraben und längst von der Wasseroberfläche verschwunden, liegt es immer noch auf der alten Position im U-Boot-Planquadrat AN 9479. Dort wird Katrin Lucke, die Tochter Walter Schwerdtfegers, die wasserlösliche Seeurne aus Salzkristallith morgen Mittag der Nordsee übergeben - eine jener wichtigen Fußnoten eines erbarmungslosen Seekrieges, ohne die seine Opfer längst vergessen wären.

Seebestattungen über Positionen untergegangener Schiffe finden weltweit immer häufiger statt. Vor Amrum wird Sonnabend die "hanSeeArt" tätig sein, deren Reeder, der Hamburger Broder Drees, einst in St. Petersburg das Lokal Tschaika (Möwe) geführt hatte, ein Magnet für Seeleute und deutsche Politiker.