HAMBURG AIRPORT: DER FLUGHAFEN IST DEUTSCHLANDS SPITZENREITER IM ABSCHLEPPEN

Nur 30 Minuten - das Auto ist weg

Autofahrer wollte Strafgebühr nicht zahlen. Er wurde vom Flughafen verklagt. 200 Autos landen im Monat auf dem Abschleppwagen.

Mit Falschparkern macht der Flughafen Hamburg kurzen Prozess. Wer sein Auto in der Kurzzeitparkzone vor Terminal 1 oder 2 eine halbe Stunde ohne gültiges Ticket abstellt, der muss damit rechnen, vom flughafeneigenen Abschleppwagen an den Haken genommen zu werden. Das Auto wird dann in den ebenfalls flughafeneigenen Autoknast gebracht. Und das wird teuer: 98 Euro müssen die Fahrzeughalter für diesen "Service" bezahlen.

Im Oktober gelangten so 170 Fahrzeuge, im September sogar 200 Autos auf den Verwahrplatz an der Flughafenstraße. Zum Vergleich: Am Flughafen Hannover wurden im gesamten Jahr 2005 nur 250 Autos abgeschleppt. Beim Abschlepp-Tempo nimmt Hamburg bundesweit sogar einen Spitzenplatz ein.

Die Kurzparkzonen (maximal 30 Minuten/1 Euro für 10 Minuten) hat der Flughafen erst im April eingerichtet, diese werden von flughafeneigenen Verkehrsberatern überwacht: "Wir lassen 30 Minuten nach Ablauf des Parktickets das betreffende Kennzeichen ausrufen und der Fahrer wird zu seinem Wagen gebeten, wenn dieser sein Auto dann nicht innerhalb von 15 Minuten entfernt, dann wird der Abschleppwagen gerufen", sagt Flughafen-Sprecherin Stefanie Harder.

Die betroffenen Autofahrer sind sauer: So wurde zum Beispiel im Mai der VW Polo von Robert Hugo (76) abgeschleppt: "Das ist absolut unverhältnismäßig was hier gemacht wird. Ich hatte die Parkscheinautomaten gar nicht gesehen, sogar noch eine Parkscheibe ins Fenster gelegt. Und als ich nach 30 Minuten zurückkam, war mein Auto weg." Die 98 Euro hat der Rentner nicht bezahlt, auch nicht als eine Mahnung und der Bescheid kam. Jetzt klagt der Flughafen vor dem Amtsgericht die Gebühren ein. Eine Entscheidung haben die Richter noch nicht gefällt. Der Rentner: "Ich denke, die Richter werden mich nicht verurteilen. Denn was der Flughafen macht, ist Abzocke."

Auch Syrus Schilling (30) war wenig erfreut, als sein Auto am Dienstag schon beinahe auf dem Abschleppwagen hing: Um 14.07 Uhr war sein Ticket abgelaufen, um 14.50 Uhr rollte der Abschleppwagen an. Abschlepper Jürgen K. hatte bereits eine Radklemme angebracht, als Syrus Schilling, der gerade seine Freundin abgeholt hatte, aus dem Terminal 1 stürmte. Der Vorgang wurde abgebrochen. 54 Euro musste der Messebauer dennoch zahlen: "Das ist kein guter Kundenservice, sondern Geldschneiderei. Denn Parkplätze waren genügend frei."

Die Abschlepp-Abzocke ist jetzt auch Thema bei Hamburgs Politikern. SPD-Bürgerschaftsabgeordneter Andreas Dressel: "Auch am Flughafen sollte wie überall gelten, das Autos erst zwei Stunden nach Ablauf des Parktickets abgeschleppt werden. Denn hier muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Das hat die Bürgerschaft so beschlossen." Der Hamburger FDP- Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen (47) bezeichnet "das schnelle Abschleppen als unverhältnismäßig. Und der Flughafen darf durch das Abschleppen keinen Gewinn machen." CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse betont: "Ich werde mich beim Flughafen erkundigen, ob bei den Abschleppvorgängen mit Augenmaß vorgegangen wurde. Aber eines steht fest, natürlich muss der Flughafen auch die Möglichkeit haben, sich gegen Verkehrsrowdys zur Wehr zu setzen." Flughafen-Sprecherin Stefanie Harder: "Wir machen keinen Gewinn durch das Abschleppen, sondern erhöhen damit den Service für die Passagiere." Ein Service, der vielen Hamburgern deutlich zu weit geht.