Plietsch, pingelig, tschüs: Was von den Franzosen blieb

Matthias Schmoock

Nach dem Abzug der Franzosen aus Hamburg wurden die Spuren der Franzosenzeit in der Stadt rasch getilgt. Obwohl zum Beispiel eine während der Besatzung erbaute Brücke zwischen Hamburg und Harburg als logistische Meisterleistung galt, ließen die Stadtväter sie mutwillig verkommen und schon 1817 wieder abreißen. Entsprechend erinnern heute nur noch wenige Zeugnisse an die Franzosenzeit, zum Beispiel die Grabstätte der vertriebenen Hamburger an der Jungiusstraße (am äußersten Rand von Planten un Blomen) und ein Gedenkstein in der Straße Pfennigsbusch. Die Georg-Wilhelm-Straße in Wilhelmsburg soll 1813 für schnelle Truppenbewegungen der Franzosen angelegt worden sein.

Anders verhält es sich mit der Sprache. Ungezählte Begriffe aus dem französischen Wortschatz sind erhalten. Beispiele: Fisimatenten: von "Visite ma tente" (Besuch mein Zelt), unmissverständliche Aufforderung der Besatzungssoldaten an schmucke Hamburgerinnen; mutterseelenallein: von "moi tout seul" (ich ganz allein); pingelig: von "epingle", französisch für Stecknadel; plietsch: abgeleitet vom französischen "pli" (Bügelfalte), zunächst auf wohlhabende, gepflegte Menschen angewandt, was später mit witzig oder geistreich gleichgesetzt wurde; Plörre: abgeleitet von "le pleur" (Tränenerguss) - ein Getränk, zum Weinen scheußlich; Pumpernickel: von "c'est bon pour Nickle" (das schwarze Brot sei, so der angebliche Ausruf eines französischen Soldaten, nur für das mit Nickel beschlagene Pferd als Futter geeignet); tschüs: vom französischen Adieu abgeleitet, daher früher auch häufig "atschüs"; verknusen: "que nous aimons" (auf das, was wir lieben). Eine Garantie für die Abstammung der einzelnen Wörter gibt es nicht - hier vermischen sich Fakten und Anekdoten.

( schmoo )

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