So viel China steckt in Hamburg

Bilanz: Beziehungen sollen noch weiter ausgebaut werden. Bereits jetzt ist das Land in Hamburgs Wirtschaft, Gastronomie, Bildung, Wissenschaft und Tourismus stark präsent.

Mit der China Time, die am Sonntag nach vier Wochen endet, sollen die Beziehungen zwischen Hamburg und dem Reich der Mitte gefestigt und ausgebaut werden. Dabei sind die beiderseitigen Beziehungen längst vielfältig. Bereits heute "steckt viel China in Hamburg" - weit mehr als die offiziell rund 3600 Chinesen (davon 615 Studenten), die in der Hansestadt wohnen. Eine Übersicht:

Wirtschaft: Chinesische Unternehmen betreiben rund 400 Filialen in Hamburg, mindestens 20 Prozent von ihnen agieren aus der Hansestadt heraus in ganz Europa. Etwa drei Viertel der Firmen verdienen ihr Geld im Handel. Seit mehr als 200 Jahren ist der Hafen der Umschlagplatz für Produkte aus Fernost. Mit rund 25 Prozent des Containerumschlags ist China der wichtigste Handelspartner des Hafens. "Dieser Anteil wird weiter deutlich steigen", sagt Stefan Matz, Direktor der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung. Rund 1500 Hamburger arbeiten für chinesische Firmen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl bis 2016 verdoppeln wird", sagt Jens Aßmann, China-Referent der Handelskammer. Zudem wird geschätzt, dass mindestens 30 000 Arbeitsplätze indirekt vom Handel mit China abhängen.

Gastronomie: "Wie viele chinesische Restaurants es in Hamburg gibt, weiß niemand so genau", sagt Ming-Chu Yu (51), Vorsitzende des Fachbereichs chinesische Gastronomie im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Hamburg (Dehoga). Sie schätzt die Zahl auf 150, mehr als in jeder anderen deutschen Stadt: "Plus unzählige kleine Imbisse." Seit vergangenem Jahr sind 62 der Restaurants im Dehoga organisiert. Als ältestes noch betriebenes China-Restaurant Hamburgs gilt das 1952 eröffnete"Peking" an der Lincolnstraße.

Bildung: Der Chinesische Verein unterhält in der Oderfelder Straße in Harvestehude die älteste chinesische Schule Hamburgs. Nachmittags lernen dort chinesische Kinder ihre Sprache und Kultur kennen. Das ist auch an den Hanhua-Chinesisch-Schulen möglich. Am Walddörfer-Gymnasium, an der Ida-Ehre-Gesamtschule und am Christianeum wird bereits seit 20 Jahren Chinesisch gelehrt. "Hamburg war ein Vorreiter in den Schüleraustauschbeziehungen in Deutschland", sagt Stefan Prigge, stellvertretender Leiter des Christianeums. Seit 2003 gibt es am Gymnasium Marienthal einen bilingualen Zweig. Von der fünften Klasse an können sich Kinder chinesischer Herkunft, aber auch begabte Kinder anderer Nationen dafür bewerben. "Das Projekt hat eine enorme Sogwirkung", sagt Schulleiterin Christiane von Schachtmeyer. Rund 70 Schüler würden das Angebot nutzen.

Wissenschaft/Medizin: Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften bietet mit einer Universität aus Schanghai gemeinsam die Bachelorstudiengänge Elektrotechnik und Maschinenbau an. Beide Studiengänge sind seit Dezember 2004 akkreditiert - als erste deutsch-chinesische Doppelstudiengänge überhaupt. Auch andere Hamburger Hochschulen kooperieren eng mit chinesischen Einrichtungen oder haben Partneruniversitäten. Am UKE Eppendorf soll im Frühjahr 2007 ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin (TCM) eröffnen. Ziel: "Wir wollen die nachweislichen Erfolge der TCM klar vom Graubereich der Paramedizin abheben", sagt Mathias Goyen, der Leiter der Unternehmenskommunikation.

Tourismus: 27 000 Übernachtungen aus China zählte die Hamburg Tourismus GmbH im Jahr 2005. Das ist noch ausbaufähig. In der Besucherrangliste liegt China damit an 14. Stelle.