Urteil: Kunsthalle muß 250 000 Euro Lösegeld erstatten

Die Hamburger Kunsthalle muß 250 000 Euro Lösegeld für die Widerbeschaffung des in den neunziger Jahren gestohlenen Gemäldes "Nebelschwaden" von Caspar David Friedrich erstatten. Das hat das Landgericht am Freitag entschieden. Kläger ist der Frankfurter Anwalt Edgar Liebrucks, der nach eigenen Angaben das Millionen-Bild im Auftrag der Kunsthalle von den Dieben freigekauft hatte und dafür die genannte Summe vorgestreckt hatte (wir berichteten). Zusätzlich erhält Liebrucks ein Honorar von mehr als 20 000 Euro, befand die Zivilkammer. Der Geschäftsführer der Kunsthalle, Tim Kistenmacher, kündigte gegenüber dem Abendblatt an, Berufung einzulegen. "Wir können das Urteil nicht akzeptieren. Das Lösegeld zu bezahlen, wäre ein Zeichen an alle Kunstdiebe, daß wir erpreßbar sind."

Rückblick: 1994 wird das mit 1,9 Millionen Euro versicherte Gemälde zusammen mit weiteren wertvollen Werken bei einem spektakulären Kunstraub aus der Frankfurter Schirn-Kunsthalle gestohlen. Neun Jahre später hängt es wieder in der Hamburger Kunsthalle. Wie kam das Bild zurück? Die Geschichte ist so undurchsichtig und verworren wie die gemalten Nebelschwaden. Fest steht: Edgar Liebrucks, damals Anwalt eines tatverdächtigten Mitgliedes der Frankfurter Jugo-Mafia, konnte als "Vermittler" sämtliche Bilder wiederbesorgen, die bei dem Kunstraub entwendet wurden. Von der Londoner Tate Gallery kassierte er dafür eine "Belohnung" von 350 000 Euro. So sollte es auch bei der Hamburger Kunsthalle laufen. Doch Geschäftsführer Tim Kistenmacher bestreitet bis heute, auf den Deal eingegangen zu sein, verweist auf Zeugenaussagen, die Liebrucks belasten. Das sieht der Richter anders: Kistenmacher habe gegenüber Liebrucks einen "Mäzen" erwähnt, der bereit sei, das Lösegeld zu bezahlen, daher sei er auf die Forderung eingegangen.