Jon Flemming Olsen hat Texas Lightning erfunden

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Norman Raap

Serie (4): "Texas Lightning" - fünf Hamburger beim Eurovision Song Contest

Texas? Nein, im Wilden Westen war er noch nie, der Hamburger, der 1996 Texas Lightning gründete. Dafür wohnt Jon Flemming Olsen (41), den Millionen Fernsehzuschauer schon als Ingo, den Imbißwirt von "Dittsche", kennen, nur drei Minuten von seinem Arbeitsplatz entfernt in Hoheluft-Ost. Die mit dem Grimme-Preis gekrönte "Grillstation" am Eppendorfer Weg liegt um die Ecke.

Das Abendblatt traf ihn bei seinem Lieblingsessen: Nürnberger Rostbratwürstchen mit Sauerkraut. "Ich esse aber nur selten Fastfood. Meine Frau ist Vegetarierin." Seit 16 Monaten ist er mit Agnes (38) verheiratet, einer Reiseredakteurin. Außer der wöchentlichen "Biokiste" kommen auch Sushi, Tapas oder italienische Spezialitäten auf den Tisch.

"Chefvisite . . . !" Wenn Ingo "Dittsche" mit diesem Seufzer live im WDR empfängt, ist es 22.30 Uhr am Sonntag, und Olsen hat seine schwarze Perücke aufgesetzt sowie sein immer gleiches Sweatshirt übergestreift. Er trägt es seit der ersten Episode vor sechs Jahren im ZDF. Ansonsten ist keine Folge wie die andere. Der Mann hinterm Tresen läßt sich überraschen, was Dittsche sich ausdenkt. Olsen: "An den Redaktionssitzungen nehme ich nicht mehr teil. Es hat sich als Vorteil erwiesen, wenn ich unmittelbar reagieren muß." Wieviel von ihm selbst steckt in Ingo, dem Besonnenen? "Vielleicht ein Viertel." Als Schauspieler würde er sich "so ganz ohne Ausbildung" nicht bezeichnen. "Aber ohne darstellerisches Talent könnte ich den Ingo nicht geben." Muß Olsen sich das Lachen verkneifen, wenn Dittsche "losperlt"? "Eigentlich nicht. Ingo kann reagieren wie jeder normale Mensch. Nur wenn es so heftig wird, daß es uns beide aus der Kurve haut, müssen wir versuchen, wieder den Bogen zu kriegen. Aber genau an dieser Kante zu surfen, macht den größten Spaß."

Der Gitarrist und Sänger, der Elvis Costello, die Beatles und Countrysänger Dale Watson verehrt, definiert "Dittsche" als "Musik ohne Noten". Olsen: "Es geht um Timing, Melodie und genaues Wahrnehmen, wie beim Improvisieren in der Musik." Werktags greift Olsen bei Texas Lightning nicht nur in die Saiten, sondern kümmert sich auch um das Erscheinungsbild der Band. Jon, Sohn eines Grafikers, gestaltete schon Anzeigen und CD-Cover für Udo Lindenberg, Echt oder Annett Louisan. "Seit meiner ersten Schülerband wollte ich Musiker werden", sagt Olsen. Das Rüstzeug holte er sich mit vier Jahren in der frühkindlichen Musikerziehung, es folgten Flöten-, Geigen- und Gitarrenunterricht. Nach dem Abi absolvierte Olsen Gesangsstunden und den "Kontaktstudiengang Popularmusik". Eine seiner ersten Stationen waren in den 80ern "Die Sirenen", ein A-cappella-Oktett, das auch Hausband der "N3-Schmidt-Show" war. Und er gründete die Rockband "Welcome Home", aus der die Erfolgsgruppe Selig hervorging. Als Dittrich 1989 unter dem Pseudonym "Tim" ein Popalbum veröffentlichte und eine Band suchte, stieg Jon als Gitarrist und Chorsänger ein. Ein Flop. Olsen: "Es war aber der Beginn einer wunderbaren Freundschaft." 2004 konnte er Dittrich als Schlagzeuger verpflichten. Vom Durchbruch der "Feierabendband" ist Olsen überrascht: "Ich habe immer geglaubt, daß Country mal von einer breiteren Öffentlichkeit entdeckt werden würde, aber mit diesem Erfolg hat niemand gerechnet."

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