Ikea plant Parkhaus - Anlieger laufen Sturm

Schnelsen: 1050 neue Stellplätze für den schwedischen Möbelriesen. Mehr Lärm und Emissionen befürchtet. Senat hat das Verfahren an sich gezogen, nachdem der Bezirk das Projekt abgelehnt hat.

In Schnelsen gibt es heftigen Widerstand gegen Ausbaupläne von Ikea. Der schwedische Möbelriese will ein Parkhaus mit 1050 Stellplätzen bauen, wie eine Unternehmenssprecherin dem Abendblatt bestätigte. Nicht nur Anwohner sind empört. Auch bei den Politikern vor Ort herrscht Unmut über die Entscheidung. Denn alle drei Fraktionen hatten bereits vor zwei Jahren in der Bezirksversammlung gegen diesen Plan gestimmt. Doch nun will der Senat selbst über die Genehmigung entscheiden, indem er das Verfahren an sich gezogen (evoziert) hat. Stadtentwicklungssenator Michael Freytag (CDU) hält den Bau für wichtig, damit der Standort langfristig gesichert werde.

Diese Argumentation stößt selbst CDU-Bezirkspolitikern sauer auf. "Wir halten das Parkhaus für das Geschäft von Ikea nicht für wichtig", sagt der Vorsitzende der Bezirksversammlung Eimsbüttel, Heinrich Otto Leopold (68). Die CDU-Fraktion sei geschlossen der Meinung, daß die Firma ein Fremdkörper im Wohngebiet sei, sagt Leopold. Ihm sei allerdings klar gewesen, daß der Senat sich einmischen würde. "Der Senat hat uns vor zwei Jahren mitgeteilt, daß er evozieren würde, wenn wir als Bezirksversammlung nicht so entscheiden, wie es der Senat will." Der SPD-Bezirksabgeordnete Rüdiger Rust (44) findet es "schlimm, daß der Senat so viele Dinge an sich zieht. Schließlich war es politischer Wille, den Bau hier nicht durchzuführen." Und GAL-Fraktionschef Horst Becker (47) hält es für fraglich, ob Ikea seine Zusagen jetzt einhalte. Denn bereits in der Vergangenheit habe das Unternehmen Zusagen nicht eingehalten.

Die Baugenehmigung für die Einhausung der Anlieferungsrampe habe drei Jahre lang vorgelegen. Erst im Sommer 2005 sei sie gebaut worden, sagt Leopold. Dem Versprechen, den Lärmschutzwall von gut drei Metern auf sechs Meter zu erhöhen, seien bisher keine Taten gefolgt, sagt der CDU-Politiker. "Die Anwohner sind lange hingehalten worden. Da staut sich Wut auf", sagt Leopold.

Die ist bei Anwohner Rolf Sintram-Nölting groß: "Die haben vor 700 Leuten Zusagen gemacht, die sie nach und nach gebrochen haben. Das nehmen wir persönlich", sagt der 61jährige. Anwohner Heinz Hendrich (66) fürchtet nun eine Zunahme des Verkehrs und damit auch von Lärm und Abgasen. Schließlich werde die bisherige Parkplatzzahl von 1200 auf 2250 fast verdoppelt. Den Sprecher der "Bürgerinitiative Ikea Neu" ärgert aber vor allem das Vorgehen des Senats: "Das ist eine absolute Schweinerei, weil die CDU als Opposition Ikea noch bekämpft hat."

Senator Freytag verteidigt den Entschluß zum Eingreifen. Ikea sei ein wichtiger Arbeitgeber, in beiden Filialen seien 820 Mitarbeiter beschäftigt, davon mehr als 700 aus Hamburg. Allein in Schnelsen investiere das Unternehmen 53 Millionen Euro. "Ein neues Parkhaus ist bei stetig wachsenden Besucherzahlen unerläßlich", sagte Freytag.

Die Anwohner würden sogar von dem Parkhaus profitieren, sagt Ikea-Sprecherin Charlotte Freund. "Wildes Parken in den Wohngebieten wird dann der Vergangenheit angehören", sagte sie. Auch Eimsbüttels Baudezernent Reinhard Buff (60) sprach sich für das Vorhaben aus. "Die Zufahrt wird vereinfacht", sagte er, so daß Rückstaus vermieden werden sollen.

Was genau Ikea auf dem Firmengelände plant, wird die Öffentlichkeit am 7. Februar erfahren. "Details geben wir vorher nicht bekannt", sagte Freund. Von 19 Uhr an soll dann im Theatersaal der Grundschule Anna-Susanne-Stieg 3 über das Bauvorhaben informiert werden.

Heinz Hendrich und seine Mitstreiter in der Bürgerinitiative werden dabei aufmerksam zuhören und ihre Position zu den Plänen darlegen.