Schönheits-OP: Wieviel Pfuscher gibt es noch?

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Diana Zinkler

Skandal: Dr. Dr. St. und der Tod der jungen Türkin. Busen vergrößern, Fett absaugen - rund 10 000 Hamburger legen sich pro Jahr unters Messer.

Jeder zweite Arzt, der in Hamburg Schönheitsoperationen anbietet, ist nicht ausreichend qualifiziert. Das schätzt der Landesverband der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (VDPC). Ein Markt, der immer stärker gefragt ist - und immer häufiger in Verruf gerät. So wie zuletzt durch den Tod von Tülay D. Die 33jährige starb nach einer Nasenoperation bei dem dubiosen "Schönheitschirurgen" Dr. Dr. St., gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der 44jährige ist gelernter Zahnmediziner und hat eine Ausbildung als Allgemeinarzt.

Doch genau wie die junge Frau legen sich immer mehr Hamburger für die Schönheit unter das Messer - aus allen gesellschaftlichen Schichten. Während es vor fünf Jahren nur eine Handvoll plastische Chirurgen in Hamburg gab und sich hauptsächlich ältere Frauen aus reichem Hause für ein kleines Vermögen ihre Jugend zurückholten, lassen sich heute Studentinnen von ihrem abgesparten Nebenjobverdienst die Brüste vergrößern oder in die Jahre gekommene Manager die Tränensäcke entfernen. Rund 10 000 Hamburger helfen der Natur jährlich mit dem Skalpell nach, schätzen Experten. Die gestiegene Nachfrage belebt nicht nur das Geschäft, sondern lockt offenbar auch Pfuscher an, die das schnelle Geld wittern.

"Schlechtqualifizierte Ärzte operieren hier genauso oft wie ausgebildete plastische Chirurgen", sagt Dr. Klaus Müller (49), Vorsitzender des VDPC Hamburg. Das Problem: Rechtlich gesehen darf sich jeder Arzt Schönheitschirurg oder kosmetischer Chirurg nennen - und ästhetische Operationen durchführen.

Plastische Chirurgen, das sind die Ärzte, die nach einem Autounfall entstellte Gesichter wiederherstellen oder Frauen nach einer Brustkrebsoperation ein Implantat einsetzten. "Allein der Titel ,Facharzt für Plastische Chirurgie' ist geschützt, nennen dürfen sich so nur Fachärzte mit einer Weiterbildung von mindestens sechs Jahren und einer Prüfung der Ärztekammer", sagt Dr. Oliver Meyer-Walters (41), Facharzt für Plastische Chirurgie.

Auch der Zusatz "plastische Operationen" sei mit Vorsicht zu genießen: Denn ein HNO-Arzt könne zwar eine Nase korrigieren, so Meyer-Walters. "Gefährlich wird es allerdings, wenn er auch Fettabsaugungen an der Hüfte anbietet."

In Hamburg gibt es rund 40 plastische Chirurgen, von denen etwa die Hälfte niedergelassen, die andere in den Krankenhäusern Wandsbek, Boberg und Alten Eichen tätig ist. Meyer-Walters schätzt, das etwa 50 weitere Ärzte ästhetisch operieren, die keine Facharztausbildung für Plastische Chirurgie absolviert haben. "Die Spanne reicht von Dermatologen, die Brüste vergrößern, bis zu Zahnärzten, die Faceliftings anbieten", sagt er und warnt: "Diese selbsternannten ,Schönheitschirurgen' handeln in unverantwortlicher Selbstüberschätzung und fügen damit nicht nur ihren Patienten, sondern der gesamten Zunft Schaden zu."

Um sich den Traum von Schönheit leisten zu können, finanzieren immer mehr Patienten ihre OP über Kredite. "Es gibt sogar Banken, die sich auf diese Art von Krediten spezialisiert haben", erklärt der plastische Chirurg Dr. Karl-Hermann Dansard (55), Leiter der Hamburger Klinik von "Medical One", einem bundesweiten Unternehmen für Plastische Chirurgie. "Einige Ärzte reagieren darauf mit Dumping-Angeboten und Rabatten." Wenn eine Operation deutlich vom durchschnittlichen Preis abweiche, sei deshalb Vorsicht geboten, so Müller. Eine Brustvergrößerung solle zwischen 5000 und 7000 Euro, eine Nasenkorrektur 4000 bis 5000 Euro, Tränensäcke entfernen zwischen 1500 und 3000 Euro kosten. Beim Fettabsaugen gelte je nach Umfang eine Spanne von 1500 bis 8000 Euro.

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