Helga Feddersen - sie hat nicht mal einen Grabstein

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Dierk Strothmann

Auf ihrer Ruhestätte vermodern ein paar Blumen. Auf dem verwitterten weißen Stein stehen drei Namen: Maria und Jacob Kuhn (gestorben 1964 und 1968) sowie Else Wendt (gestorben 1975). Vorn steht ein schlichtes Metallschild: Helga Feddersen (1930-1990). Das einzig Hübsche auf dem Grab ist ein kleiner weißer Engel, aber man weiß nicht so recht, über wen er wacht.

Heute vor 15 Jahren ist sie gestorben, und sie hat noch nicht einmal einen Grabstein, die unvergessene Hamburger Volksschauspielerin, die den Menschen soviel Freude gebracht hat und die auf dem Steigfriedhof im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt liegt, obwohl sie dort nicht hingehört. Denn sie war Hamburgerin mit Leib und Seele.

Ein Auftrag für die Pflege des Grabes liegt der dafür zuständigen Friedhofsgärtnerei Heermann auch nicht vor, obwohl der dafür Verantwortliche in den vergangenen Jahren schon hin und wieder auftauchte, um Blumen niederzulegen. Aber das ist auch schon länger her, wie eine Angestellte sagte.

Gemeint ist Reinhard Prinz von Sachsen, Herzog zu Sachsen, der Mann, den Helga Feddersen, warum auch immer, am Totenbett heiratete, der Mann, der damals noch Reinhard Maier, genannt Olli, hieß. Wieviel Geld der Last-Minute-Ehemann vor 15 Jahren von ihr erbte, ist nicht bekannt. Aber es soll gereicht haben, damit sich der gebürtige Stuttgarter für eine erkleckliche Summe von einer gewissen Erna Eilts aus Emden adoptieren lassen konnte.

Und da die Ostfriesin legal den Titel "Erina Prinzessin von Sachsen" trug (sie war acht Jahre mit dem Enkel des letzten Sachsenkönigs verheiratet), gehörte Olli damit zum deutschen Hochadel. Für eine Sechs-Zimmer-Residenz im Herzen von Palma de Mallorca war auch noch genug Geld da - nur nicht für ein angemessenes Grab für seine angebliche Langzeit-Verlobte und Kurzzeit-Ehefrau Helga Feddersen.

Der 24. November 1990, die Nacht, in der Helga Feddersen ihrem langjährigen Krebsleiden erlag, änderte Olli Maiers Leben schlagartig. Der heute 60jährige war zuvor eine erfolglose Knattercharge in belanglosen TV-Stückchen und Kleindarsteller in Filmen wie "Dirndljagd am Kilimandscharo". Versuche als Schlagerstar mit "Heiße Würstchen mit Salat" und "Ich liebe Aerobic" scheiterten, und kein Hahn hätte wohl jemals nach Olli Maier gekräht, wenn da nicht seine Freundin Helga gewesen wäre.

Die war ungleich erfolgreicher. Nachdem die hübsche junge Frau 1955 bei einer Tumoroperation an der Ohrspeicheldrüse eine irreparable Gesichtsverletzung erlitt, machte sie aus der Not eine Tugend. Neben ernsthaften Rollen (etwa in den "Buddenbrooks" und "Tadellöser und Wolff") wurde sie zur "Ulknudel der Nation", spielte an der Seite von Ekel Alfred in "Ein Herz und eine Seele" und landete zusammen mit Dieter Hallervorden einen Riesenhit mit "Du, die Wanne ist voll". 1983 gründete sie das "Theater am Holstenwall", spielte dort mehr als 400mal "Die Perle Anna". Und sie schrieb erfolgreiche Stücke fürs Fernsehen.

Nach Helga Feddersens Tod wurde Olli Maier in den Medien als Erbschleicher beschimpft, sein Buch "Ich, Buhmann der Nation" floppte.

Erst als neuadliger Prinz von Sachsen war Olli dann einigermaßen begehrt. Mit seiner neuen Lebensgefährtin, dem Softporno-Sternchen Bea Fiedler (die später Albert von Monaco vergeblich der Vaterschaft ihres Kindes bezichtigte), soll er sogar zeitweise im Schloß Moritzburg bei Dresden gelebt haben. Als die Verbindung 1995 endete, zog sich Olli nach Mallorca zurück und tauchte nur noch selten in Klatschspalten auf.

Vor fünf Jahren stöberte ihn ein Reporter auf und fragte, wer eigentlich die Wohnung seiner Hoheit in Palma sauberhalte. "Beim Prinzen von Sachsen putzt der Herzog zu Sachsen", antwortete der frühere Olli Maier damals. Vielleicht spart er ja für einen Grabstein . . .

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