Schnecken - Symbole der Auferstehung

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Melanie Kirschstein

Gott und die Welt

"Mami, sie leben, sie sind wieder da!" In jedem Frühling wartet mein Sohn sehnsüchtig auf die Rückkehr der Schnecken und jubelt, wenn er die erste Weinbergschnecke im Garten an der Mauer begrüßt. Die großen mit ihren schön gestreiften Häusern haben es ihm besonders angetan. Aus seiner Begeisterung spricht das Gespür für das Wunder, daß nach langem todesähnlichen Winterschlaf im verschlossenen Schneckenhaus neues Leben beginnt. Wußten Sie, daß Weinbergschnecken alte christliche Symbole der Auferstehung sind? Die Schnecke verschließt im Herbst ihr Haus mit einem runden Deckel, sprengt im Frühling die Tür und kriecht hinaus in ein neues Leben. Das erinnert an den Grabstein, der am Ostermorgen fort ist - und der Weg frei zu Auferstehung und neuer Hoffnung.

Auch von Menschen sagt man, daß sie sich in ihr Schneckenhaus verkrochen haben.

Aus Angst oder Wut, Trauer oder Einsamkeit ziehen manche sich zurück, verlieren Mut und Hoffnung. Sie vermeiden den Kontakt zur Welt, zu Menschen und erst recht zu Gott. Martin Luther hat diesen Zustand "in sich selbst verkrümmt" genannt. Jeder kennt solche Zeiten, in denen wir gefangen sind in unseren Ängsten, in Zweifeln und Selbstzweifeln, in Streit, Enttäuschung oder Trauer.

Was kann helfen, den Deckel des Schneckenhauses zu sprengen und aufzuerstehen?

Im Johannesevangelium wird erzählt: Nach Jesu Tod hatten sich seine Freunde verkrochen aus Angst und Traurigkeit. Sie fühlten sich allein gelassen, ohne Kraft und Mut. Da war Jesus plötzlich da, sagte: "Friede sei mit euch!" Er blies sie an und sprach: "Nehmt hin den heiligen Geist!"

Wie einen Kuß, den man einem Geliebten zupustet, stelle ich mir die Geste Jesu vor.

Dann geht er wieder. Manche Abschiede müssen sein. Aber etwas von ihm bleibt: Sein Atem, seine Lebenskraft, sein Lebensgeist. Dieser heilige Geist, den wir Pfingsten feiern, ist Auferstehungskraft gegen das Verkriechen in traurige Einsamkeit. Mit dieser Kraft weht Gott uns an, bläst uns heraus aus Gefangenschaften, gibt Mut, Lebendigkeit und Freiheit.

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