Die Karwoche - warum sie für uns so wichtig ist

Ostern: Alle christlichen Konfessionen erinnern an das Leiden Christi.

Allen bunten Eiern zum Trotz, die bereits in vielen Sträuchern hängen, sind die Tage vor Ostern keine Zeit der Vorfreude auf das höchste christliche Fest. In der Karwoche geht es - so das althochdeutsche Ursprungswort "kara" - um "Klage" und "Trauer". Alle christlichen Konfessionen erinnern in dieser bedeutendsten Woche des Kirchenjahres an das Leiden und Sterben des Gekreuzigten. Auch der Name des Gründonnerstags hat nichts mit der Farbe zu tun, obwohl mancherorts dann Grünes auf den Tisch kommt, wie Spinat oder Kräuterpfannkuchen. Mit "gronan" bezeichneten unsere Vorfahren vor rund 1000 Jahren das "Greinen" oder "Weinen" im Gedenken an Jesu Todesangst und das Leid der Kreuzigung. Die Feier am Gründonnerstagabend erinnert an das letzte Abendmahl, an das Gebet am Ölberg, die Auslieferung an die Verfolger. Damit verbunden sind uralte Bräuche: Symbolische Fußwaschungen gibt es Gründonnerstag in katholischen Kirchen in Anlehnung an die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vollzog. Aus Spanien ist der Brauch schon 694 belegt, im 12. Jahrhundert in Rom.

Gründonnerstag galt im Mittelalter als Abgabetermin für die Schulden der Bauern an ihre Grundherrn. Nach Dokumenten eines Domherrn aus Speyer wurde mit Eiern oder Hasen bezahlt - vielleicht kam es so zu den typischen Osterbeigaben.

Doch der Ursprung vieler Bräuche liegt im Dunkeln. Zu unübersichtlich ist die Erklärungsvielfalt. Während der 40tägigen Fastenzeit vor Ostern (seit Aschermittwoch, die Sonntage ausgenommen) wurden früher auch Eier verschmäht, die als "flüssiges Fleisch" galten. Dadurch und durch eine erhöhte Legefreudigkeit der Hennen im Frühjahr kam es vielleicht zum Eier-Überschuß und zu den Ostereiern.

Karfreitag ist der stillste Gedenktag der Karwoche. Glocken und Orgel schweigen. Vergnügungsfeste wie der Dom müssen schließen. Die Gläubigen treffen sich zu Kreuzwegandachten. Zur Todesstunde um 15 Uhr läuten Glocken.

Karsamstag ist der Tag der Ostervorbereitung. In der Nacht oder am Ostersonntag feiern die Christen die Auferstehung. Nach einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift "Bildwoche" wissen das 63 Prozent der Bundesbürger. Ob das viel oder wenig ist, mag jeder selbst entscheiden.

"Der Tod ist überwunden" singen Christen aller Konfessionen in einem mehr als 1000 Jahre alten Osterlied. Für sie ist das Kreuz mehr als ein Zeichen des Todes: Es ist das Symbol für die Überwindung des Todes, die Zusicherung, daß es nach dem irdischen Leben ein Weiterleben gibt. Die Auferstehung macht den Gekreuzigten zu der Gestalt von Mensch und Gott, deren Verständnis sich nur im Glauben erschließt.