Sein Beruf ist ein Männertraum

Götz von Tschirnhaus ist Geschäftsführer des Raffay Porsche Zentrums Eiffestraße.

Götz von Tschirnhaus (65) trägt einen goldbraunen Maßanzug. Der Knoten seiner farblich abgestimmten Krawatte könnte nicht akkurater sein. Das silberfarbene Haar ist zur Seite gekämmt. Hanseatisch eben.

Der Geschäftsführer des Raffay Porsche Zentrums an der Eiffestraße weiß, was seine anspruchsvolle Kundschaft erwartet: Seriosität und Autorität. Beides strahlt er aus. Wenn er will. Glücklicherweise will er nicht immer. Dann lächelt er verschmitzt. Sagt mit leidenschaftlichem Unterton Sätze wie: "Ich mag Dinge, die dafür gemacht sind, sich im Grenzbereich zu bewegen." Ob er das ausschließlich auf Autos bezieht, läßt er offen.

Ein selbstbewußter Grandseigneur. Trotz Rentenalters will er in seinem Job weiterarbeiten, "so lange man mich läßt". Seine Erfahrung wird geschätzt.

Wer um die 100 000 Euro für einen Porsche ausgibt, erwarte exklusive Beratung von einem Profi. Und dazu einen frischen Espresso. Beides bekommen die Kunden - dafür sorgt Götz von Tschirnhaus seit 2002 in Hamburg. Begonnen hat der gelernte Industriekaufmann seine Karriere als Lkw-Juniorverkäufer. Bereits 1969 war er beim Porsche Zentrum Hamburg in verantwortlicher Position, von 1987 bis 2001 dann Geschäftsführer in Frankfurt.

Das Angebot, zurück in die Hansestadt zu gehen, nahm er sofort an. Seine Kundschaft, darunter Moderatorin Eva Herman, Ex-Tennisstar Michael Stich und HSV-Fußballprofi Sergej Barbarez, sei "anspruchsvoll und treu". Die Verkäufe hätten trotz wirtschaftlich angespannter Sitution nicht "spürbar abgenommen". Im vergangenen Jahr seien knapp 450 Neuwagen und rund 400 gebrauchte Porsche in seiner Filiale verkauft worden.

Natürlich fährt auch Götz von Tschirnhaus Porsche. Zur Zeit einen Cayenne S. Muß er beruflich beispielsweise nach Stuttgart, verzichtet er gern auf das Flugzeug, fährt die Strecke lieber mit dem Auto. Als Geschäftsführer hat er freie Auswahl. Auf dem Parkplatz neben seinem Büro stehen dicht an dicht fast alle Modelle der sportlichen Prestigemarke.

Götz von Tschirnhaus' Liebling ist der 911 Turbo. "Ich mag Geschwindigkeit", gibt er zu. Die sollte man seiner Meinung nach jedoch kontrollieren können. Ein Grund dafür, warum er seit 1966 Mitglied bei der Scuderia Hanseat, Gesellschaft für sicheres Autofahren ist. Einige Jahre hat er selbst Sicherheits-Fahrerlehrgänge auf dem Nürburgring geleitet. Und er ist einige Jahre Rennen gefahren. Allein dreimal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

"Der Ehrgeiz, eine gute Zeit zu fahren und die Konzentration auf die Geschwindigkeit, das war - berauschend", sagt er mit spontaner Begeisterung. Lockert den Krawattenknoten und erzählt. Wieviel Spaß es gemacht hat, mit Tempo 340 über die Teststrecke zu rasen. Beschreibt, wie das Lenkrad in den Händen vibrierte und der Körper bei jeder Kurve in den Sitz gepreßt wurde.

Ob ihm das heute fehle? "Nein, ich kann andere Dinge genießen", sagt er. Fahrradfahren beispielsweise. Am liebsten in Grönwohld bei Trittau, wo er mit seiner Frau Jutta wohnt. Wenn seine erwachsenen Kinder zu Besuch kommen, schwingen sich alle auf den Sattel. Der Porsche bleibt dann in der Garage, Anzug und Krawatte bleiben im Schrank.