Jungfernstieg: Streit um "unsichtbaren" Fahrradweg

Neugestaltung: Fahrradklub befürchtet, daß es durch den nur dezent markierten Weg zu Unfällen kommen wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat den Umbau des Jungfernstieges heftig kritisiert. Dort, so der Vorwurf, werde auf der Wasserseite ein "unsichtbarer Fahrradweg" gebaut, der für Fußgänger nicht zu erkennen und damit für Radfahrer kaum zu nutzen sei. "Die gesamte Promenade an der Binnenalster soll beigefarben werden. Der Radweg soll nur dezent durch zwei dünne Linien markiert werden", sagt ADFC-Sprecher Stefan Warda (44). Ähnliche Radwege gebe es schon. "Dort haben Fahrradfahrer kaum eine Chance, an den Fußgängern vorbeizukommen."

Das sei gefährlich für alle Beteiligten. Dennoch sei der Fahrradbeirat bei der Behörde für Stadtentwicklung bisher auf taube Ohren gestoßen. "Die Planer bestehen auf diesem Radweg. Offenbar will der Oberbaudirektor seine Stadtbauästethik durchsetzen", sagt Warda, der einen Kantstein zwischen Fuß- und Radweg fordert. Die Höhendifferenz werde von Fußgängern und Radfahrern als Grenze wahrgenommen, die fast nie überschritten werde.

Laut Warda gibt es bei den Baumaßnahmen am Jungfernstieg drei Faktoren, die beinahe sicher dazu führen werden, daß der Radweg an der Promenade von Fußgängern genutzt wird. "Er ist kaum sichtbar, wird dabei auch noch verschwenkt und verläuft parallel zu den Bäumen, deren Kronen das Sichtfeld verengen. Zur leichteren Orientierung gehen Fußgänger automatisch zum Fahrbahnrand."

Nach Wardas Ansicht verstößt der Radweg gegen die Straßenverkehrsordnung, weil er nicht eindeutig erkennbar sei. "Deshalb", so der ADFC-Sprecher, "wird er nicht benutzungspflichtig sein können. Gegen die Anordnung einer Benutzungspflicht wird der ADFC Widerspruch einlegen." Im Klartext: Fahrradfahrer sollen am Jungfernstieg auf der Straße fahren dürfen.

Die Stadtentwicklungsbehörde sieht keinen Grund, die Pläne zu ändern. "Der Jungfernstieg soll zum Boulevard mit einheitlicher Oberfläche werden", sagt Sprecher Volker Dumann (51). Das Material für Fuß- und Radwege werde das gleiche sein. "Der Radweg wird aber deutlich durch schwarze Steine in der Breite eines Fahrbahnstreifens abgegrenzt. Außerdem wird es alle 20 bis 25 Meter das Piktogramm eines Fahrradfahrers geben."

Volker Dumann räumt ein, daß bei dieser Markierung auch mal ein Fußgänger auf dem Radweg läuft. Aber das ist offenbar erwünscht. "Es soll erreicht werden, daß Radfahrer am Jungfernstieg langsam fahren. Daß das auf Radwegen wie dem geplanten funktioniert, ist wissenschaftlich erwiesen."