Drogen am Steuer - jetzt greift die Polizei durch

| Lesedauer: 3 Minuten
Christian Denso

Kontrollen: In drei Wochen Praxis und zwei Tagen Theorie sollen jetzt bis zu 200 Beamte geschult werden.

Als die Polizisten nachhakten, zog der Auslieferungsfahrer eines Hamburger Versandhauses, den sie vormittags um 10 Uhr bei einer Fahrt angehalten hatten, die Platte Haschisch aus seiner Hosentasche - und erklärte auch, wo der Rest des Rauschgifts geblieben war: "Das hab' ich um 9 Uhr bei der Frühstückspause geraucht." Wegen solcher Fälle von offensichtlich alltäglichem Konsum von Drogen kündigte die Hamburger Polizei jetzt an, verstärkt gegen Autofahrer, die unter Rauschgift stehen, vorzugehen. Dazu sollen vor allem Polizeibeamte intensiv geschult werden, um Drogen am Steuer besser zu erkennen. Im nächsten Schritt sollen die Beamten dann auch vermehrt Kontrollen auf den Straßen durchführen.

Die Zahl der nach dem Konsum von Hasch, Kokain oder auch Ecstasy am Steuer erwischten Autofahrer habe sich in den vergangenen Jahren stark erhöht, sagte Polizeipräsident Werner Jantosch gestern. Wurden im Jahr 2002 in der Hansestadt noch 230 derartige Fälle festgestellt, waren es im vergangenen Jahr bereits 873. Und in diesem Jahr gab es bis Ende September bereits 1294 derartige Fälle - wohl vor allem, weil die Polizei mehr auf Drogen kontrolliert.

Jantosch kritisierte das "mangelnde Unrechtsbewußtsein" vieler Fahrer: "Es gibt ein sehr geringes Wissen, wie enorm Cannabis und Marihuana die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen." Das reiche von Sehstörungen bis zu nachlassenden motorischen Fähigkeiten und bedeute "eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer". Haschisch werde offensichtlich als "Teil des Lebens" akzeptiert - und nicht nur in der Disco am Abend, sondern den ganzen Tag über konsumiert.

Mit schwerwiegenden Folgen: Zwar gab es etwa 2003 nur 83 registrierte Unfälle nach Drogenkonsum. Dabei wurden jedoch 62 Menschen leicht und 15 schwer verletzt, vier Menschen starben sogar.

In drei Wochen Praxis und zwei Tagen Theorie sollen jetzt bis zu 200 Beamte geschult werden, die dann ihr Wissen auf den 28 Kommissariaten der Hansestadt weitergeben: So sollen Polizisten sicher im Erkennen von Drogenkonsumenten hinterm Steuer werden. Da es keine Grenzwerte wie beim Alkohol gibt, droht den Ertappten in jedem Fall eine Geldbuße mit Fahrverbot. Wer unter Drogen einen Unfall verursacht, muß sogar mit Freiheitsstrafe rechnen.

Weiterhin eingesetzt werden auch drei jeweils etwa zehn bis 15 Euro teure Tests, die Speichel, Schweiß oder Urin der Verdächtigen überprüfen - obwohl etwa Rechtsmediziner erhebliche Bedenken an der Zuverlässigkeit dieser Geräte geäußert haben: Anders als Alkholtests sei etwa der sogenannte Drugwipe-Test zu ungenau. "Wir kennen das Problem", räumte Hans-Joachim Barz von der Polizei ein: "Auch deshalb wollen wir unsere Beamten jetzt besser schulen, damit wir unabhängiger von solchen Tests werden." Bei allen Überprüfungen gelte in jedem Fall weiterhin: Keiner dieser Tests ersetzt die Blutprobe.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg