"Erfolgreichste Reise" oder Fehler im Konzept?

China-Besuch: Handelskammer kritisiert die Planung. Wirtschaftsdelegation ist dennoch mit den Ergebnissen zufrieden

Nach Ende der China-Reise der Bürgermeister-Delegation hat bei den Organisatoren in Senatskanzlei, Handelskammer und HSH-Nordbank die Nachbetrachtung begonnen. Für Senatssprecher Christian Schnee war der fünftägige China-Besuch trotz Pannen die "bisher erfolgreichste Reise des Bürgermeisters". Aber man müsse sich immer "Gedanken machen, wie es besser werden kann". Zu diesem Zweck werde man sich zu einer Nachbesprechung treffen. "Gerade bei den Wirtschaftsterminen" sei eine Nachbetrachtung wichtig.

Damit dürfte der Senatssprecher zum Beispiel auf die Panne in Hongkong anspielen. Dort hatten Bürgermeister Ole von Beust und Handelskammerpräses Karl-Joachim Dreyer auf Englisch Reden gehalten - wobei ihnen aber nur die Hamburger Delegation lauschte, da kein einziger chinesicher Investor anwesend war. Von Beust hatte danach sichtlich genervt von einem Organisationsfehler gesprochen.

Verantwortlich für den Termin war die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF) - deren Gesellschafter u. a. Stadt und Handelskammer sind. Im Rathaus macht man offenbar vor allem die Handelskammer für den Flop verantwortlich - in der Handelskammer dagegen die Senatskanzlei, die auch die nur spärlich besuchte Hamburg-Präsentation in Peking zu verantworten hatte.

In der Kammer gibt es aber auch grundsätzliche Kritik an der Organisation der Reise. Es sei nicht sinnvoll gewesen, mit vier getrennten Delegationen (Politik, Wirtschaft, Kultur, Medizin) zu reisen, sagte Handelskammer Geschäftsführerin Corinna Nienstedt. Diese Planung habe zur Folge gehabt, dass der Bürgermeister Termine der Wirtschaftsdelegation kaum einmal habe wahrnehmen können. Kammer-Präses Karl-Joachim Dreyer habe diese Einschätzung dem Bürgermeister bereits mitgeteilt.

Mit den Ergebnissen ihrer eigenen Termine ist die Kammer gleichwohl zufrieden. So werde der chinesische Vizepremier "zu 99 Prozent" Ende November zum "Hamburg Summit" der Kammer in die Hansestadt kommen. Zudem habe man mit den Organisatoren der Expo 2010 in Shanghai gesprochen, die möglicherweise ihr Europa-Büro in Hamburg eröffnen wollten. Die Stimmung unter den Wirtschaftsleuten sei am Ende sehr gut gewesen.

Auch bei der HSH Nordbank ist man mit den eigenen Ergebnissen sehr zufrieden. "Wir haben wichtige Pflöcke eingeschlagen", sagte der Chef der Kundenbetreuung, Thomas Ignatzi. So habe man durch die Anwesenheit des Bürgermeisters zehn Konzern-Vorstände an einen Tisch bekommen. Derzeit unterstütze man "Shanghai Electric", den "kleinen Siemens Chinas" - die Firma überlege, ihre Europa-Zentrale in Hamburg zu errichten.

Zufrieden war auch der Rechtsanwaltskammer-Präsident Axel C. Filges. Er unterzeichnete Abkommen zum Austausch junger Anwälte - und verhandelte über Niederlassungserleichterungen für deutsche Juristen in China und chinesische Anwälte in Deutschland. Er habe sich in China zwar meist abseits der Wege des Bürgermeisters bewegt, so Filges. Dennoch habe es ihm bei seinen Gesprächen sehr geholfen, dass er offiziell mit der von-Beust-Delegation in China unterwegs gewesen sei.