China-Reise - was Hamburg lernen muss

Bilanz: Der Besuch der Hamburger Delegation war nicht frei von Pannen - und doch ein Erfolg

"Nachdem ich das hier gesehen habe, ist mir eines klar", sagte der Vorstand des Internet-Anbieters freenet, Eckhard Spoerr, am Ende des China-Besuchs der Hamburger Bürgermeister-Delegation. "Deutschland muss sich warm anziehen." Das gelte nicht nur, weil China als Produktionsstandort für viele Firmen interessanter ist als Deutschland - sondern weil die 1,3 Milliarden Chinesen einen unvorstellbar großen Absatzmarkt bilden, sobald die Löhne etwas steigen. Die fünftägige Reise Ole von Beusts durch das Reich der Mitte hat daher eine Erkenntnis unterstrichen: Deutschland und Hamburg sind heute stärker auf China angewiesen als umgekehrt.

Insgesamt ist die China-Reise trotz einiger Probleme als Erfolg zu werten. Es ist wichtig und richtig, dass Hamburg sich um enge Beziehungen zu China bemüht - immerhin stammt jeder fünfte bei uns umgeschlagene Container aus China. Durch das Treffen von Beusts mit Shanghais Bürgermeister Han Zheng wurde die für Hamburg wichtige Freundschaft gefestigt - ebenso wie durch die Abkommen über Medizin-Kooperation und das Memorandum zur Städtepartnerschaft.

Das gewachsene Selbstbewusstsein der Chinesen zeigte sich bei dem Besuch an mehreren Punkten. Zunächst sagten der Vizepremier und der Handelsminister Gespräche mit von Beust kurzfristig ab - wenngleich man in Rechnung stellen muss, dass eine Sitzung des Zentralkomitees bevorstand. Fast sinnbildlich erschien eine Szene beim Empfang durch den Chef des Industrieverbandes. Handelskammerpräses Karl-Joachim Dreyer erläuterte dabei, stehend in ehrerbietiger Haltung, dass Hamburg mit 340 Firmen die meisten chinesischen Unternehmen Europas beherberge. Verbandschef Xu Kuangdi, in seinem Sessel zurückgelehnt, antwortete ironisch: das müssten dann wohl sehr kleine Firmen sein - und womöglich hauptsächlich China-Restaurants.

Zwei der drei Werbeveranstaltungen blieben bei dieser Reise erfolglos: Zur Hamburg-Präsentation in der Botschaft in Peking erschienen nur etwa 15 Chinesen - in Hongkong kam kein einziger Investor. Der Hamburg-Abend in Shanghai war dagegen gut besucht. Hier wurden viele Kontakte geknüpft - und chinesische Firmenchefs betonten, dass Hamburg Chinas wichtigster Hafen in Europa sei. Aber selbst hier lief es nicht vollkommen professionell: Die Tonanlage war so miserabel eingestellt, dass man von den Reden kein Wort verstehen konnte.

Eines müssen die Hamburger aus dieser Reise lernen. Da ihnen in China keinesfalls überall rote Teppiche ausgerollt werden, sollten sie sich künftig etwas mehr ins Zeug legen. Dazu gehört vor allem, dass man die zentralen Termine besser organisiert - und bei PR-Veranstaltungen weniger hausbacken und mit etwas mehr Pep für Hamburg wirbt. Schließlich werden die Chinesen nicht nur von uns umworben - sondern von der ganzen Welt.