Bürgermeister von Beust zufrieden: "Die China-Reise war ein Erfolg"

Resümee: Nach einer ersten Einschätzung waren vor allem die Besuche Hongkongs und Shanghais ergiebig für Hamburg

z. Zt. Hongkong. Bürgermeister Ole von Beust hat eine positive Bilanz seines China-Besuchs gezogen. "Die Reise war ein Erfolg", sagte von Beust dem Abendblatt am Freitag in Hongkong, der letzten Station seiner fünftägigen Reise. "Wir haben viele Kontakte zu Investoren aufgebaut, aber auch etwa zur chinesischen Künstlerszene. Außerdem habe ich Shanghais Bürgermeister wieder getroffen. Es ist sehr wichtig, diese Beziehung zu pflegen."

Allerdings gebe es auch Dinge, die nicht optimal gelaufen seien. So sei etwa der Besuch in Peking nicht so zwingend gewesen, "wie wir gedacht hatten", sagte der Bürgermeister. In Peking hatten chinesische Spitzenpolitiker die vereinbarten Gesprächstermine mit dem Senatschef kurzfristig abgesagt (wir berichteten). "Wir hätten lieber einen Tag mehr in Shanghai oder Hongkong verbringen sollen", so von Beust. Zudem habe sich gezeigt, dass die Reisegruppe zu groß gewesen sei. Bei künftigen Reisen wolle man sich auf weniger Termine konzentrieren. Die nächste größere Auslandsreise werde ihn im Oktober kommenden Jahres nach Japan führen.

In Hongkong wurde von Beust am Freitag vom Regierungschef empfangen: Der Chief Executive Tung Chee Hwa, lud ihn zum Mittagessen in den früheren Gouverneurs-Palast ein, der sich vor der Kulisse der bisweilen brutal wirkenden Wolkenkratzer wie ein kleiner, edler Fremdkörper ausnimmt.

Am Nachmittag hielt von Beust bei einer Wirtschaftsveranstaltung eine Rede auf Englisch, die er allerdings stark abkürzte, als er bemerkte, dass im Publikum fast nur Mitglieder der deutschen Delegation saßen, und dazu nur drei, vier jugendliche Hongkonger, die nicht eben den Eindruck machten, als seien sie potente Investoren. Ein wenig grotesk nahm es sich aus, als kurz darauf auch Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer ans Pult schritt und zu seinen Hamburger Mitreisenden auf Englisch redete. Von Beust sprach später von einem Organisationsfehler. Dreyer selbst nahm die Panne mit Humor: "Da hätte ich auch gleich im Delegationsbus reden können."

Bereits in Peking hatte es bei einem Empfang der deutschen Botschaft nur geringes chinesisches Interesse für die Hamburg-Werber gegeben. Dreyers Fazit am Ende der Reise fiel dennoch eindeutig positiv aus, der China-Besuch sei ein Erfolg.

So sah es auch der Bürgermeister. Allein das Frühstück in Shanghai, zu dem zehn Vorstandsvorsitzende chinesischer Konzerne erschienen waren, sei sehr wichtig gewesen. Auch die Gespräche über die Einrichtung einer direkten Fluglinie von Shanghai Airlines zwischen Hamburg und der chinesischen Partnerstadt seien nicht erfolglos gewesen. So solle voraussichtlich im kommenden Jahr eine direkte Cargo-Verbindung eingerichtet werden. 2006 könnte dann, pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft, vielleicht auch ein Linienflug eingerichtet werden.

Auf die Frage, was Deutschland von China lernen könne, sagte von Beust: "Bei uns werden Individualrechte gegenüber dem Gemeinschaftsgedanken zu hoch gehängt. Genehmigungsverfahren dauerten zu lange. Wir haben überzogene Gesetze." China könne aber kein Modell für Deutschland sein. Am Freitagabend stand zum Abschluss der China-Tournee eine Rundfahrt durch den Hongkonger Hafen auf dem Programm. Die durch den großen Termindruck der letzten Tage erschöpften Hamburger genossen dabei den spektakulären Blick auf die Skyline. Am Sonnabendmittag tritt die Delegation die 14-stündige Rückreise nach Hamburg an.